Die Filter-Blase platzen lassen: Persönliche Propaganda im Zeitalter der Sozialen Medien

"The Soap Bubbles" by Charles Chaplin
“The Soap Bubbles” by Charles Chaplin

Hätten Facebook und Whatsapp den Krieg im Gazastreifen verhindern können? Und wenn ja, sollten sie? Diese Fragen wirft einer der wenigen auf, die das ernsthaft können: der Daten-Wissenschaftler Gilad Lotan.

In einem Essay über “Soziale Netzwerke und die Kunst der personalisierten Propaganda” analysiert Lotan die Konsequenzen der Tatsache, dass wir dank der Sozialen Medien zwar viel mehr direkte Informationen von etwas bekommen, etwa erschütternde Bilder über Twitter aus Gaza. Wir sind aber nur vermeintlich näher dran. Vielmehr bestätigen “die Sozialen” mit ihren algoritmisch maßgeschneiderten Info-Strömen uns nur in unseren (Vor-)Urteilen. Eli Pariser hat dafür den Begriff der Filterblase geprägt: Wer in dieser Echokammer steckt, erhält nur die Informationen, die er will. Dies, zeigt Lotan, schürt etwa im Fall Gaza letztlich Hass, Anti-Semitismus und ähnliches.

Ist das Gegenteil potentiell möglich? Soziale Medien könn(t)en die öffentliche Meinung positiv verändern, spekuliert Anil Dash. Wollen wir also “Friedensblasen”? Es ist eine gefährliche Versuchung, auch für die Kirche. Im Zeitalter “personalisierter Propaganda” reicht es aber nicht, in der eigenen Filterblase zu schwimmen; auch weil damit unser Glaube nur noch mehr an der Relevanz verliert, die schon die bisherige Realität der Massenmedien untergräbt. Wir können, ja, müssen vielmehr diese Filterblasen platzen lassen.

(Zuerst publiziert als “Standpunkt” auf http://www.katholisch.de am 7. August 2014)

“Veggie Day” der Grünen: Spiessig, selbstgerecht und schädlich

Das Problem mit der Forderung der Grünen nach einem Zwangsgemüsetag ist ein dreifaches. Hier stimmen weder die sonnenblumige Anglo-Verpackung, noch der vorgebliche Inhalt, noch die Motivation. Auf Bairisch gesagt: Das ganze ist ein rechter Schmarren.

Erstens: Die Verpackung. Ganz schön groovy, diese Greenies! Der Begriff erinnert an Plakate einer Drogerie-Kette kurz vor ihrem Konkurs: “For You. Vor Ort”, hiess es da. Der Firmensprecher entschuldigte das sinngemäß mit: Das Klientel sei halt nicht so gebildet. Wird jetzt ein grüner PR-Mann nach dem dritten Bio-Hugo einen ähnlichen Lapsus per Twitter leisten?Source: State Archives of Florida

Zweitens: Der Inhalt. Soll niemand glauben, dass mit zwangsverordneten Pflichttagen mehr “Gerechtigkeit mit Messer und Gabel” hergestellt werden kann. Der Zweck heiligt niemals die Mittel. Mit Bevormundung erreicht niemand Gerechtigkeit! Statt die wichtigen Anliegen von Armut und Hunger zu beleuchten, ebenso wie die positiven Aspekte vegetarischer Ernährung, wird eine Moral-Keule geschwungen. Das ist spiessig, schädlich und selbstgerecht; für mündige Bürger eine zutiefst unchristliche Zumutung.

Drittens: Die Motivation. Die ist so durchsichtig wie daneben. Die Grünen haben in einigen Diskursen die öffentliche Deutungshoheit. Was daran liegen mag, dass sie oft authentischer sind, weil sie an ihre Anliegen glauben. Aber hier werden eigene Werte instrumentalisiert, um als Akt performativer Propaganda medial ausgespielt zu werden. So wird der Etikettenschwindel möglich, der mit kurzatmigen Halbwahrheiten hinter “Happy Labels” (sic) kulturrevolutionäre Maßnahmen propagiert. Das schadet den Anliegen wie unserer Demokratie.

In meiner Familie ist seit Jahren der Freitag ein fleischloser “Pfannkuchentag”. Eine schöne Tradition, die unsere Kinder begeistert – und die Hunde, wenn wir nicht tierisch aufpassen. Aber wir haben als Christen einen besseren Grund dafür als Propaganda und Zwang; und wir respektieren die Freiheit der anderen, mit zu machen – oder nicht.

(Crossposted from here)