Heiligung durch Gender-Debatte?

Im neuen Gotteslob ist ein wunderbarer Abschnitt – es ist Nummer 29 – der erklärt, warum wir auf der Welt sind. Das Ziel unseres Daseins ist, steht dort, ein “Leben in Fülle”. Anders gesagt: Wir sind aufgefordert, die besten Menschen zu sein, die wir nur sein können. Die Pop-Psychologen und Management-Berater nennen das “unser Potential voll ausschöpfen”. Wir Christen kennen es seit 2000 Jahren unter einem viel besseren Begriff: Der Berufung zur Heiligkeit.

Heilig werden: Wie schaffen wir das? Ein gewisser Jesus hat es uns verraten: Ihn zu kennen, ihn zu lieben, und ihm nachzugehen ist unser steiler Weg und Ziel. Völlig wurst ist dabei, ob wir das nun als Priester, Mönch oder Laie tun. Egal ist auch, ob wir dies als Mann oder Frau tun. Das garantiert die christliche Errungenschaft der menschlichen Würde. Aber unser Geschlecht bestimmt den Rahmen der Möglichkeiten, wie wir das tun.

Oder?

Logisch, sagen die christliche Lehre wie auch die Naturwissenschaft. Stimmt nicht! sagt die Gender-Theorie, und fordert eine Menge Konsequenzen. Kritiker sehen in diesem Gender Mainstreaming eine gefährliche Ideologie. Viele Befürworter sehen Gender dagegen als ein Ringen um Gleichberechtigung. Kein Wunder, dass um dieses Thema ein heftige Debatte entbrannt ist.

Wir haben in der Münchner Kirchenzeitung verschiedene Kommentatoren zu Wort gebeten, die sich zum Teil auch widersprechen. Das war schon einigen Leuten zu viel. Einige haben sich bei mir beschwert. Andere haben sich bedankt. Ich bin überzeugt: Wir brauchen diese Debatte! Und gerade ein christliches Medium muss sie so führen, dass jeder sich seine eigene Meinung bilden kann und diese auch beisteuern – etwa per Leserbrief oder bei Twitter. Und wenn dabei der eine oder andere lernt, kognitive Dissonanzen auszuhalten, also sich mit einer Meinung zu beschäftigen, die er nicht teilen wird, dann ist das ein wichtiger Nebeneffekt. Und vielleicht sogar ein Schritt auf dem richtigen Weg, dem der Nachfolge Jesu. Oder?

(Crosspost der Kolumne “Wimmers Woche” auf den Münchner Kirchennachrichten)

"Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie." So steht es schon in Genesis 1,27  (CC-Bild: kosmolaut/flickr)
“Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.” So steht es schon in Genesis 1,27
(CC-Bild: kosmolaut/flickr)

Das vermessene Selbst (Vorfreude auf ein tragbares katholisches Internet)

Diese Woche habe ich eine seelische Spontan-Amputation erlitten. Beim Einstieg in den Zug prallte meine Tasche so unglücklich im Gedrängel an eine Stahlstange, dass die gläserne Oberfläche des Tablet-Computers in seiner Hülle splitterte. Wie bitte? Der kaputte iPad soll eine seelische Spontan-Amputation verursacht haben? Nein, natürlich nicht.

Es war noch viel schlimmer.

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