Wenn der Watschenbaum umfällt

Wie jeder Familienvater (und wohl auch jede Mutter) kenne ich die Momente, wo mir die Hand ausrutschen könnte. Leider ist sie mir auch schon ausgerutscht, obwohl ich es nicht wollte, und für völlig inakzeptabel halte.

CC Image of Pope Francis
CC Image of Pope Francis

Wie manches Kind gestresster Eltern weiß ich auch, was eine Watschn für den bedeutet, der sie einfängt. Gott sei Dank haben auch meine Eltern mich nie geschlagen. Aber das eine Mal, wo ich zu meiner Mutter so unverschämt war, dass sie mir wie im Reflex eine geschmiert hat, werde ich nie vergessen – und sie auch nicht. Heute sage ich: Die Watschn hatte ich verdient, und sie hat mehr erreicht, als alles reden und maßregeln.

Widerspricht sich das nicht? Lüge ich mir in die eigene Tasche, wenn ich gegen jede Form der Gewalt (nicht nur physische!) gegenüber Kindern bin, aber selber meinen eigenen Maßstab schon mal nicht eingehalten habe? Wenn ich sogar einmal eine “verdiente Watschn” kassiert habe, obwohl ich behaupte, dass es keine gibt? Keineswegs. Gerade weil es für meine Eltern wie für mich als Vater nicht akzeptabel war und ist, war die eine Watschn eine wirkmächtige Ausnahme, eine absolute Verletzung der eigenen Regeln. Und vor allem: der Würde.

Meine Kinder lachen sich schief, wenn der Papa sagt “Jetzt fällt gleich der Watschenbaum um! Zimmer aufräumen!”. Gott sei Dank. Ich könnte mir nicht verzeihen, wenn sie tatsächlich Angst vor mir – oder irgendjemand anderen – haben müssten.

Umso weniger verstehe ich die Aussage des Papstes zu diesem Thema. Es gibt einen liebevoll Klaps, klar. Aber es gibt keine Züchtigung in Würde. Weder für den Täter noch das Opfer. Punktum.

Was mich noch mehr verwundert: Die Watschen-Debatte, die nun in den weltlichen Medien losgestreten wird, ist keine echte Debatte. Hier findet vielmehr ein Spiel statt, das mittlerweile in die mindestens dritte Runde geht: Der Papst und die Presse. Ein Schlagabtausch der besonderen Art: Franziskus verteilt metaphorische “Klapse”, und die Öffentlichkeit, genauer die Medien, reagieren. (Crossposted from “Wimmers Woche” on Münchner Kirchennachrichten).

“Er macht, was er sagt” – Wie Papst Franziskus die Kirche verändert

 

Am 1. Juni begeht heuer die Katholische Kirche den Welttag der sozialen Kommunikationsmittel. Zwischen Katholikentag und anderen Themen fällt dieser Tag in der deutschsprachigen Öffentlichkeit zwischen einige Ritzen. Nicht so in der Schweiz, wo der “Mediensonntag” zumindest wahrgenommen wird. Zurecht, denn selbst die Päpste und die ganze Kirche werden mittlerweile primär durch die Medien wahrgenommen. Das zeichnet auch das Pontifikat von Franziskus aus. Oder? Kollege Bernhard Stadelmann vom Schweizer Medienportal kath.ch hat dazu kurz nach der Heiligsprechung der Päpste Johannes XXIII und Johannes Paul II dieses Interview mit mir in Rom aufgezeichnet.

Was meinen Sie? Habe ich recht mit diesen Behauptungen? Wie wird Papst Franziskus wahrgenommen und warum?