Analyse: Kardinal Pell und der Kulturkampf

Nicht nur die Nachricht, dass Kardinal George Pell vor dem High Court in Berufung gehen will, hat gewaltigen Wirbel verursacht. Auch die öffentlichen Reaktionen auf die Reaktionen zu diesem neuen Kapitel in der Affäre Pell sind geprägt von der rhetorischen Härte und polemischen Heftigkeit, die Kulturkämpfe auszeichnet.

Aber worum geht es eigentlich?

Die Positionen scheinen auf den ersten Blick klar: Auf der einen Seite stehen alle, die Zweifel am Verfahren und Schuldspruch gegen den ehemaligen Finanzchef des Vatikans wegen des sexuellen Missbrauchs zweier Chorknaben in den 1990er Jahren haben. Auf der anderen stehen jene, die Pell für schuldig halten.

Doch dieser Eindruck ist zu oberflächlich. Das zeigt einmal die Vehemenz, mit der öffentlich eingefordert wird, die Verurteilung müsse nun doch anerkannt werden. So zeigte sich die prominente Politikerin Kristina Kenneally mit großer Wortgewalt im Fernsehen “sprachlos” darüber, dass der Melbourner Erzbischof Peter Comensoli glaubt, dass Pell unschuldig sei – und dies auch öffentlich sagte. Obwohl Comensoli im gleichen Atemzug dem mutmaßlichen Opfer Hilfe und Beistand angeboten hatte, bezeichnete die katholische Labor-Senatorin Keneally im Interview mit dem Sender “Sky News” dies als “gleich auf mehreren Ebenen erschütternd”.

Selbst wer hier noch keine ideologischen Töne zu hören vermochte, wurde durch Zeitungen wie der australischen Ausgabe des “Guardian” informiert, dass es eben Kulturkampf ist – zum Beispiel mit einem Cartoon, der kommentierte:”Pell ist im Gefängnis, wo er hingehört, und die Kulturkämpfer sind zornig, weil einer der Ihren gestürzt ist”.

Dass hier mehr verhandelt wird, zeigt auch, dass in der Affäre Pell nun über das Beichtgeheimnis gestritten wird. Dessen Aufkündigung fordert etwa Louise Milligan, die mit ihrem Buch “The Rise and Fall of Cardinal Pell” das öffentliche Bild des Kardinals als Pädophilen prägte. Das Buch räumte zahlreiche öffentliche Preise ab und steht für die Wahrnehmung einer Kirche als “Männerbund”, der sich seiner Privilegien – zu der das Beichtgeheimnis gehört – entledigen müsse.

Für Aktivisten wie Leonie Sheedy ist der Fall klar. Gegenüber der “BBC” sagte die Australierin: “Die kleinen Leute haben gewonnen”. Die katholische Kirche sollte nun den Opfern Geld geben, statt sich teure Anwälte für Berufungsverfahren zu leisten.

Aber haben die “kleinen Leute” gewonnen, oder wurde ein Unschuldiger durch ein juristisches Verfahren schuldig gesprochen, dass so nie hätte stattfinden dürfen angesichts massiver Hetze und ideologisch aufgeheizter Stimmung, wie nun Kommentatoren wie der Kolumnist Andrew Bolt der Zeitung “Herald Sun” warnte?

Einen Vergleich mit der Dreyfus-Affäre hat bereits George Weigel gezogen. Im Magazin “First Things“, unter dem Titel “die australische Schande”, schrieb der Autor und katholische Intellektuelle am 21. August: “Vernünftige Menschen werden sich fragen, ob es sicher ist, in einem sozialen und politischen Klima zu reisen oder Geschäfte zu machen, in dem eine Mob-Hysterie, ähnlich derjenigen, die Alfred Dreyfus auf die Teufelsinsel geschickt hat, offensichtlich Geschworene beeinflussen kann.”

Der berühmte Justizirrtum um den Artillerie-Offizier Alfred Dreyfus brachte das Frankreich der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in Aufruhr und eine schwere Krise, erregte weltweit Aufsehen und verhandelte nicht nur den Vorwurf des Landesverrats gegen einen jüdischen, aus dem Elsass stammenden Hauptmann, sondern brennende gesellschaftliche Themen und Ideologien: Antisemitismus, Klerikalismus, Monarchismus.

Dass es sich bei der Affäre Pell zumindest um eine öffentlich ausgetragene ideologische Auseinandersetzung handelt, die kulturkämpferische Zügen trägt und manche Kollegen, Familien und Freundeskreise so spaltet, wie damals der Fall Dreyfus in Frankreich: Das zeigt die Debatte mittlerweile auch für andere Beobachter sehr deutlich.

Katholische Anwälte sagten mir, dass der in der Dreyfus-Affäre erhobene Vorwurf des Verrats zumindest in der Hinsicht mitverhandelt wird, dass viele hoffen, die robust katholischen Positionen Pells delegitimiert zu sehen durch eine Schuld der Person. So gesehen sei Pell dann nicht nur ein “Sündenbock” im Sinne René Girards, sondern auch eine Art Alfred Dreyfus. Zumal es in den Sozialen Medien durchaus zu antikatholischer Hetze gekommen ist.

Über all diesen Tumulten soll nun der High Court entscheiden. Mit einer Anhörung, falls es dazu kommt, rechnen Juristen in drei bis sechs Monaten.

Richtig ermöglicht haben den Antrag auf Berufung vor dem High Court in Canberra alle drei Richter des Court of Appeals Mehr noch: Der einzelne Richter, der für einen Freispruch Pells plädierte, legte in seiner Begründung eine Blaupause für die Berufung vor.

In seiner 200 Seiten langen Argumentation stellte Richter Mark Weinberg fest, dass Pell aufgrund einer einzigen Aussage schuldig gesprochen wurde, der mehr als 20 Zeugen vor Gericht widersprochen haben. Allein die Möglichkeit, dass diese Zeugen die Wahrheit gesagt haben können, hätte “zwangsläufig zu einem Freispruch führen müssen”.

Tatsächlich sei Pell praktisch dazu gezwungen worden, die “Unmöglichkeit seiner Schuld” zu beweisen – statt begründete Zweifel anzumelden, die seinen Freispruch garantiert hätten, so Richter Weinberg, der als ehemaliger Generalstaatsanwalt und renommierter Strafrechtler höchstes Ansehen genießt.

Beobachter gehen davon aus, dass es genau dieses Argument ist, dass Pells Anwalts-Team um Bret Walker in Canberra anführen wird.

Unterdessen sitzt Pell weiter hinter Gittern: Seit über 180 Tagen befindet sich der Kardinal in Einzelhaft im Melbourne Assessment Prison. Er darf dort nicht einmal die heilige Messe feiern.

Zuerst veröffentlicht bei CNA Deutsch. Eine gekürzte Fassung dieses Artikels erschien vorab exklusiv bei der katholischen Zeitung “Die Tagespost”.

Sünde, Sündenbock und Sühne

Gründlich und genau hat die Deutsche Bischofskonferenz diese Woche dokumentiert, wie es um den Glauben und das Leben der Kirche in Deutschland steht.

Die ganze Realität des katholischen Lebens soll die 80 bunte Seiten starke Broschüre zeigen, die den nüchternen Titel “Katholische Kirche in Deutschland – Zahlen und Fakten 2018 / 2019” trägt. Kardinal Reinhard Marx betont dazu im Vorwort wie in der Pressemitteilung, dass es um eine “lebendige Gemeinschaft” gehe. Und neben politischer Rhetorik und gut gemeinten Textbausteinen befüllen vor allem Statistiken und Tabellen voller Zahlenreihen zu Taufen und Firmungen, Gottesdienstbesuchern, Priesterweihen und Eheschließungen die Seiten der Broschüre.

Doch ist die ganze Wirklichkeit der lebendigen Gemeinschaft abgebildet? Und die Rolle der Kirche in dieser Gesellschaft?

Lassen wir uns dazu einmal nicht von den dramatischen Zahlen nicht ablenken, die zeigen, wie schnell der Glaube mittlerweile im deutschsprachigen Europa verwelkt, wie Papst Franziskus treffend immer wieder sagt, während dank der Kirchensteuer eine Unmenge an großartigen wie leider oft auch fragwürdigen Strukturen und Stellen wuchert.

So wichtig diese Fakten sind, weshalb sie im Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit stehen: Einen Hinweis darauf, warum die Kirche in einer Krise historischen Ausmaßes steckt, wie diese Zahlen zeigen, finden wir nämlich genau darin, was in der Broschüre der Bischofskonferenz fehlt: Die Beichte.

Nicht einmal der Begriff kommt darin vor, bis auf eine Erwähnung in Klammern in einem Kästchen am Rand von Seite 71 über Sakramente. Von Angaben oder Daten zu dem Sakrament, das Papst Franziskus mit dem Heiligen Jahr der Barmherzigkeit in den Mittelpunkt zu rücken versuchte? Keine Spur. Auch wenn der Papst gerade die deutschen Bischöfe darauf deutlich aufmerksam gemacht hat, als sie im November 2015 zum Ad-Limina-Besuch in Rom waren, wie wichtig das Bußsakrament doch sei.

Warum ist die Beichte ein blinder Fleck? Wer hat Angst vor dem Sakrament der Buße? Ja, brauchen wir Katholiken einfach kein Sakrament mehr, wenn es um unsere Versöhnung mit Gott geht?

Die letzte Frage ist natürlich rhetorisch. Wir brauchen die Versöhnung mit Gott.

Die Juden haben dafür bis heute ihren eigenen Feiertag: Das Versöhnungfest, Jom Kippur. Es ist bis heute der heiligste und feierlichste Tag des jüdischen Jahres.

Im alten Judentum, vor der Zerstörung des Tempels in Jerusalem, brachten die Juden besondere symbolische Tieropfer zum Sühnefest dar. Eines davon: Ein über das Losverfahren ausgesuchter Ziegenbock. Über diesem wurden die Sünden öffentlich bekannt und dann das Tier in die Wildnis geschickt.

Martin Luther war es, der mit seiner Übersetzung der Bibel den Begriff des “Sündenbocks” prägte, und dessen moderne Deutung so treffend beschreibt, wie wir Menschen geneigt sind, unser Fehlverhalten anderen aufzuladen.

Klar: Wir Katholiken können uns – Gott sei Dank – in der Beichte mit dem Herrn versöhnen. Wer die Beichte hat, und die anderen Sakramente braucht keinen Bock.

Eine Gesellschaft ohne Religion dagegen sucht sich andere Sündenböcke.

Der Philosoph und Anthropologe René Girard ist dafür bekannt, den Mechanismus des Sündenbocks in Gesellschaften beschrieben zu haben: Eine Gruppe wählt sich ein eigentlich austauschbares Opfer aus, um Einmütigkeit herzustellen, indem dieses beschuldigt und belastet wird – und dann ausgestoßen oder gar getötet. Der Sündenbock ist in der Regel jemand, der besonders unbeliebt oder ein Ärgernis ist, schwach oder umstritten.

Wie entkommt eine Gesellschaft dieser Dynamik?

Nur durch den vollständigen Verzicht auf Gewalt und den ihr zugrundeliegenden Opferkult, den allein Jesus Christus verkündet und vorlebt; nur das Gebot von Gottes- und Nächstenliebe, erklärt Girard, schafft in der Passion Christi die Aufhebung dieser Dynamik, durch die Auferstehung Jesus Christi.

Soweit René Girard. Was aber, wenn eine ehemals christliche Gesellschaft nicht mehr an Gott glaubt, jedoch immer noch eine Kirche hat, die das zudem auch nicht immer glaubwürdig tut? Die genau das Sakrament der Versöhnung mit Gott sogar ausblendet, und schlimmer noch: In deren Reihen zum Teil die gleichen Vergehen und Verbrechen verübt werden, die auch aus eigener Sicht schwere Sünden sind?

Dann erfüllt vielleicht gerade die Kirche, oder besonders ein ungeliebter Vertreter derselben, hervorragend die Rolle eines Sündenbocks. So sehen das zumindest einige Beobachter im Fall von Kardinal George Pell.

Dessen Verurteilung und das laufende Berufungsverfahren beschäftigt derzeit weltweit die Kommentatoren, und selbst erbitterte Gegner des Kardinals räumen ein, dass die am Verfahren und der öffentlichen Meinungsmache in Australien geäußerte Kritik um Teil ihre Berechtigung habe.

Die Geschworenen haben Pell dennoch für schuldig befunden, Missbrauch begangen zu haben. Und nun sehen Pells Unterstützer sehen in der Person des Kardinals einen Sündenbock.

Doch eine solche Theorie greift zu kurz. Und das nicht nur, weil es hier um laufende Verfahren und den Verdacht auf schreckliche Verbrechen geht.

Sondern auch, was viele übersehen: Weil hier mehrere wichtige Fragen gleichzeitig verhandelt werden.

Für die juristische Schuldfrage ist erst einmal das Urteil der Richter entscheidend.

Für den Schutz von Heranwachsenden und anderer Schutzbedürftiger geht es darum, sexuelle Gewalt zu verhindern und deren Vertuschung möglichst unmöglich zu machen.

Ähnlich wie in Deutschland und andernorts bemüht sich die Kirche down under, um den richtigen Weg: Die Australische Bischofskonferenz und Australiens Orden haben neue Regeln zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern und gefährdeten Erwachsenen verabschiedet. Es gibt neue Maßstäbe darüber, wie Jugendliche – und andere Schutzbedürftige – informiert werden, Partnerschaft mit Familien gepflegt wird, Beschwerdemanagement funktionieren muss und eine kontinuierliche Weiterbildung aller Verantwortlichen aussieht.

Was aber mit der Frage nach Vergebung und Sühne, nach Schuld und Versöhnung? Was aber mit dem Verhältnis zu Gott? Die Frage, inwiefern darüber die Kirche noch ernsthaft reden und handeln kann, angesichts der Kirchenkrise: Das ist die Herausforderung. Die Antwort liegt im eigenen Umgang mit den Sakramenten, unserem eigenen Verhältnis zu Gott.

Veröffentlicht als Leitartikel bei CNAdeutsch und als Wochenkommentar bei Radio Horeb.

Das Kreuz von Nagasaki

Als die Atombombe auf Nagasaki fiel, feierten Katholiken in der Urakami-Kathedrale der Stadt gerade die heilige Messe. Der Sprengsatz explodierte etwa 500 Meter von ihnen entfernt. Die Beter wurden sofort getötet – so wie mindestens 40.000 weitere Menschen – und die Kathedrale Unserer Lieben Frau von der Unbefleckten Empfängnis völlig zerstört. Nur wenige Sakramentalien und andere Gegenstände überlebten.

Eines davon, ein hölzernes Kreuz, soll nun als Zeichen der Versöhnung und des guten Willens für den Frieden zurückgegeben werden: Ein College im US-Bundesstaat Ohio hat angekündigt, das Kreuz der Kathedrale Unserer Lieben Frau zurückzugeben.

Das teilte Dr. Tanya Maus mit, Leiterin des Peace Resource Center vom Wilmington College, einer Hochschule der Freien Künste, die den Quäkern nahesteht.

“Nur sehr wenige Artefakte aus der Kathedrale wurden erhalten, und deshalb ist es wichtig, dieses Kreuz zurückzugeben, das so tief mit dessen Identität verknüpft ist”, sagte Maus laut einem Bericht der Catholic News Agency, der deutschsprachigen Schwesteragentur von CNA Deutsch, am 7. August 2019.

Dr. Mau wörtlich: “Das ist etwas, was wir einfach tun müssen. Das sind Beziehungen, die helfen, eine friedlichere Welt aufzubauen.”

Das Kreuz habe Walter Hooke, ein katholischer US-Marineinfanterist, aus den Ruinen der Urakami-Kathedrale geborgen und seiner Mutter in die USA geschickt, so Maus.

1982 übergab Hooke das Kreuz dem Peace Resource Center, in dem Referenzmaterial und Unterlagen zu den Atombombenangriffen auf Hiroshima und Nagasaki aufbewahrt werden. Als Maus erfuhr, dass eine Gruppe aus Nagasaki das Kreuz suche, entschied sie sich dazu, es zurückzugeben.

Das Holzkreuz wird in der heutigen Kathedrale des Erzbistums Nagasaki aufgehängt werden: Der 1959 errichtete Mariendom steht direkt neben der als Mahnmal verbliebenen Ruine.

“Es waren Katholiken in der Kathedrale beim Gottesdienst, als die Bombe fiel”, sagte Professorin Maryann Cusimano Love von der Catholic University of America sagte gegenüber CNA im Jahr 2015.

Heute steht auf dem Gelände der zerstörten Kathedrale von Nagasaki der 1959 fertiggestellte neue Dom.

Nagasaki ist seit der Ankunft des heiligen Franz Xaver im 16. Jahrhundert ein Zentrum des Katholizismus in Japan. Der Glaube wurde In ganz Japan jahrhundertelang unterdrückt, Christen brutal verfolgt und umgebracht. Dennoch überlebte der Katholizismus. Als 1895 wieder Religionsfreiheit gewährt wurde, begannen die mehrheitlich katholisch gebliebenen Einwohner von Urakami mit dem Dombau.

Diese Urakami-Kathedrale sollte nur 20 Jahre nach ihrer Fertigstellung im Jahr 1925 von den amerikanischen Bombenangriffen vernichtet werden: Beim ersten – und bislang einzigen – kriegerischen Einsatz von Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 starben rund 100.000 Menschen sofort, die meisten davon Zivilisten. An den Folgeschäden starben mindestens 130.000 weitere Personen.

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Mutter Caroline-Marie von der Trinität, Oberin der Anbetungsschwestern des Königlichen Herzens Jesu schreibt:

“Vielleicht hängt die Glaubenslosigkeit oder glaubensmäßige Verwirrung vieler Menschen in der heutigen Zeit auch damit zusammen, dass seit vielen Jahren, ja Jahrhunderten, das Gottesbild immer mehr verkleinert, gleichsam immer mehr humanisiert wurde. Sobald aber der Allmächtige, der Schöpfer des Himmels und der Erde nur noch in menschlichen Kategorien gedacht wird, d.h. der Glaube an seine Existenz z.B. davon abhängig gemacht wird, inwieweit er uns hilft, unser Leben nach unseren eigenen Vorstellungen leben zu können, kann das ganze Gebäude der Religion nicht mehr auf festen Füßen stehen und der überlieferte Glaube der Kirche verliert seine Logik.”

“Klöster sind stille, zum Himmel zeigende Finger”

Ein Interview mit Père Cyrille der Benediktinerabtei Barroux – einem 1981 gegründeten Kloster mit über 50 Mönchen – über die Geschichte und das Leben der Abtei in der Provence. Übersetzt von Angelika de Poncharra.

Wie erklären Sie den Bau zwei neuer Klöster in Frankreich um das Jahr 1980?

Lassen Sie mich die Anfänge kurz erzählen, danach wird die Erklärung einfacher sein.

Im August 1970 kommt ein Benediktinermönch auf einem Moped, mit seinem Bündel auf dem Gepäckträger, zu einer kleinen, der hl. Maria Magdalena geweihten Kapelle bei der Ortschaft Bédoin im Nordosten von Avignon. Was führt ihn hierher? In dieser Zeit des Wandels und der Neuerungen möchte er einfach sein Klosterleben weiterführen und mit dem Segen seines Abtes das “Experiment der Tradition” machen: Gebet, Schweigen, Arbeit, Stundengebet in Latein, traditionelle Liturgie. Was wird morgen sein? “Das ist die Sache des lieben Gottes”, antwortet Pater Gérard Calvet.

Drei Tage später klopft ein erster Postulant an die Pforte von “La Madeleine”:

– “Ich möchte Mönch werden.”

– “Hier? Völlig unmöglich! Ich habe nichts, um Sie aufzunehmen.”

Doch der junge Mann kommt nach drei Monaten wieder.

Im November entsteht eine Klostergemeinschaft. Siebenmal am Tag und einmal in der Nacht erklingt nun das Lob Gottes — und wird nicht wieder verstummen.

1971: Das monastische Leben nimmt Gestalt an. Das kleine, halb verfallene Priorat wird restauriert. Gott schenkt Berufungen. Bald sind es elf Mönche.

Januar 1977: Die Gemeinschaft wächst weiter. Die Mönche schlafen in Wohn- und Bauwagen. Das Priorat “La Madeleine” wird zu klein, man muss bauen.

Im September 1978 wird auf dem Gebiet der Gemeinde Le Barroux, zwischen dem Mont Ventoux und den Felsenspitzen von Montmirail, ein 30 ha großes Grundstück erworben. Die Landschaft ist wild und schön zugleich. Aber Bauen ist teuer! Dom Gérard reist also durch Frankreich und die deutschsprachigen Länder, um Geldspenden zu sammeln. Eine ganze Welle von Freigebigkeit entsteht. Tausende von oft sehr bescheidenen Spenden, wie das biblische Opfer der Witwe, ermöglichen es den Mönchen, ihr kühnes Projekt zu einem guten Ende zu führen.

Dezember 1981: Abschied von Bédoin! Zwei Tage vor Weihnachten finden sich in der Tat alle mit Sack und Pack im Gästetrakt des neuen Klosters in Le Barroux ein. Die Lage ist allerdings noch etwas prekär: keine Heizung, kein elektrischer Strom, die Novizen kampieren im Schlafsaal.

Im Juni 1989 wird das Kloster Sainte Madeleine zur Abtei erhoben und Anfang Juli wird der Gründer, Dom Gérard Calvet, zum Abt geweiht.

Wie Sie sehen, entsprang der Bau eines Klosters auf dem Hügel von Le Barroux dem Sehnen nach einem kontemplativen Leben, das ein paar junge Männer nach dem Vorbild eines erfahrenen Mönches beseelte.

Bei den Schwestern fing es ähnlich an. Hier in ein paar Zeilen die Geschichte der Entstehung des Frauenklosters:

1979: Vier junge Frauen haben sich um die Benediktinerin Mutter Elisabeth de la Londe geschart. In der Nachfolge der Mönche, die sich im südfranzösischen Departement Vaucluse niedergelassen haben, möchten auch sie “das Experiment der Tradition” machen.

1983: Nach mehreren Jahren an zwei anderen Orten können die Nonnen in Le Barroux ein Grundstück erwerben. 1987 wird es möglich, unter sehr einfachen Bedingungen an Ort und Stelle unterzukommen.

1989: Die knapp 30 Ordensschwestern zählende Gemeinschaft bekommt vom Heiligen Stuhl das provisorische Statut eines Priorats.

1992: Das Kloster wird zur Abtei erhoben, und Mutter Elisabeth empfängt die Weihe zur Äbtissin.

1998: Der Kreuzgang ist vollendet. Der Bau der Abteikirche und der Pforte (mit dem Klosterladen) wird noch einige Jahre in Anspruch nehmen.

Zwei Kilometer Luftlinie von der Abtei Sainte-Madeleine entfernt befindet sich auf der anderen Talseite die Abtei Unserer Lieben Frau von der Verkündigung.

Die Nonnen befolgen wie die Mönche die Regel des hl. Benedikt und führen ein sehr ähnliches Klosterleben: Gebet, Studium und körperliche Arbeit füllen die Tage aus. Da die Schwestern weniger konkrete apostolische Aufgaben haben, können sie sich dem rein kontemplativen Leben widmen, das Mutter Marie Cronier, die Gründerin von Dourgne, ihren Benediktinerinnen als Programm gab: “Jesus will eine Gemeinschaft großmütiger Seelen, die inbrünstig beten und an die ersten heiligen Jungfrauen in der Kirche erinnern. Christus möchte eine geistige Arche, in der Er auf Erden geliebt und wo Ihm gedient wird wie von den Engeln und wo Seelen — trotz wachsender Sündhaftigkeit der Welt — aus Ihm leben und Ihm mit der gebührenden Treue dienen.”

Worin besteht der Unterschied zwischen den Klöstern von Le Barroux und anderen Klostergemeinschaften?

Wir pflegen die traditionelle Form der Liturgie und der Klosterbräuche, doch andere Klöster machen dasselbe.

Die Lage unserer Gebäude zwischen den Felsspitzen von Montmirail und dem Berg Ventoux im außergewöhnlich klaren Licht der Provence ist etwas Besonderes. Unser Männerkloster im romanischen Stil der Zisterzienser ist schön, doch sind das auch viele andere Klöster.

Darüberhinaus weist unsere Geschichte ein paar Besonderheiten auf. Die monastische Tradition von Le Barroux baut auf die Erneuerung des Klosterlebens durch Pater Muard im Kloster La Pierre-qui-Vire im Jahre 1850 und auf Dom Romain Banquet in En-Calcat auf, zu dessen Klosterfamilie Dom Gérard Calvet, unser Gründer und erster Abt, gehörte. In diesem “Klosterabenteuer” bewahren wir einen kontemplativen monastischen Charakter, doch verbunden mit ein wenig Apostolat außerhalb der Klostermauern und einem jungen und unternehmungsvollen Geist.

Warum haben Sie so viele Berufungen, während die Existenz anderer Klöster und Ordensgemeinschaften gefährdet ist?

Sicher nicht, weil wir besser sind als andere. Die Tatsache, dass unsere Gemeinschaft ein Durchschnittsalter von 48 Jahren aufweist und traditionelle Werte pflegt, spielt sicher eine Rolle. “Die Tradition ist die Jugend der Kirche!” Das sagte Dom Gérard gerne. Aber über diese offensichtlichen Ursachen hinaus müssen wir vorab dem Geheimnis des Heiligen Geistes – “der bläst, wo er will” –genügend Raum lassen. Noch heute bläst und ruft dieser göttliche Geist.

Unser Gründer, Dom Gérard, fasste unser Hauptziel perfekt in wenigen Sätzen zusammen: “Wenn wir die Geschichte von Tausenden von Klöstern entdecken, die einst wie ein “weißer Mantel” die christliche Welt bedeckten, muss man sich fragen, was Millionen von jungen Männern, von denen viele begabt und vielversprechend waren, veranlasste, die Welt zu verlassen und sich in das arme und verborgene Leben eines Mönches zurückzuziehen. Der hl. Benedikt gibt dafür in seiner Regel als Grund an: der Wunsch, nichts zu sein, damit Gott alles sein kann; der Überdruss über alles Endliche; die Sehnsucht, Gott von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Die Benediktinerregel verlangt in der Tat von einem jungen Mann, der Mönch werden will, eines, nämlich, dass “er wirklich Gott sucht.” (Kapitel 58). Klöster sind stille, zum Himmel zeigende Finger, eine beharrliche und herausfordernde Mahnung an die Existenz einer anderen Welt voller Wahrheit und Schönheit, welche diese Welt ankündigt und erahnen lässt.

Wie verläuft der Tag eines Mönches, sei er nun Bruder oder Pater?

Alles hat seine Bedeutung im Tagesablauf eines Klosters, und der hl. Benedikt ist ein Meister des richtigen Maßes. Er dosiert die körperliche Arbeit, das Studium oder die Lektüre, das Gebet und die Ruhezeiten, alles ausgeglichen und mit Blick auf den Himmel. Hier die Beschreibung eines Klostertags, Stunde für Stunde:

3.20 Uhr: Die Glocke im großen Kreuzgang erklingt und ruft zum nächtlichen Gebet.

3.30 Uhr: Beginn der Matutin, auch Vigilien genannt. Diese Gebetszeit dauert, je nach dem Tag, zwischen 60 und 90 Minuten.

4.30 Uhr: Lectio divina. Nach der Matutin gehen die Mönche in ihre Zelle zurück und lesen jeder für sich, still kniend, einen Abschnitt aus der Hl. Schrift. Es folgt eine geistliche Lesung oder ein Studium der Lehre, Theologie oder Spiritualität.

6.00 Uhr: Gebet der Laudes, des morgendlichen Gotteslobes. Zur Zeit der Morgendämmerung preisen die Mönche den Herrn im Einklang mit der erwachenden Schöpfung.

06.30 Uhr: Die Priestermönche lesen einzeln still die hl. Messe, bei der die Brüder ministrieren. Die Novizen verbringen eine halbe Stunde in stillem Gebet.

7.30 Uhr: Frühstück, stehend eingenommen, um keine Zeit zu verlieren.

7.45 Uhr: Prim (nach römischer Zählung die erste Stunde des Tages) bei Tagesanbruch, anschließend Versammlung im Kapitelsaal mit Lesung und Auslegung eines Abschnittes (“Kapitels”) der Regel.

8.30 Uhr: Studium in der Zelle, Unterricht für die Novizen und Studierenden.

9.30 Uhr: Terz (die dritte Stunde). Mit dieser Gebetszeit verbindet sich die Erinnerung an die Herabkunft des Hl. Geistes auf die Apostel am Pfingsttag. Es folgt das Konventamt. Die Brüder nehmen in der Regel nicht daran teil (Sonn- und Feiertage ausgenommen), sondern arbeiten in dieser Zeit.

10.45 Uhr: Körperliche Arbeit für die Priester, Unterricht für die Novizen.

12.00 Uhr: Sext (die sechste Stunde). Zur Zeit, da die Sonne im Zenit steht, halten die Mönche inne. In einem kurzen Moment der Besinnung schauen sie zurück auf den Vormittag und auf mögliche Verfehlungen, dann beten sie den Engel des Herrn.

12.30 Uhr: Mittagessen.

14.00 Uhr: Non (die neunte Stunde). Die Sonne beginnt zu sinken, und diese Gebetszeit mahnt an die Vergänglichkeit alles Irdischen.

14.15 Uhr: Körperliche Arbeit bis 17.00 Uhr.

17.30 Uhr: Vesper. Zur Zeit, da der Abendstern aufgeht und das Ende des Tages anzeigt, erklingt erneut das Lob Gottes. Es ist die Zeit des Abendopfers und an großen Festen des Weihrauchritus. Im Anschluss an die Vesper verweilen die Mönche in stillem Gebet.

18.30 Uhr: Abendessen.

19.25 Uhr: Abendliches Kapitel; die Klosterfamilie kommt zusammen und lauscht abschließend einer Lesung.

19.45 Uhr: Komplet. Diese letzte Gebetszeit des Tages wird in der Abteikirche auswendig gesungen, im Winterhalbjahr bereits im Dunkeln. Dieses Gebet, geprägt von stiller Freude und tiefem Vertrauen, endet zu Füßen der Jungfrau Maria mit dem Gesang des Salve Regina. Mit dem Ende der Komplet beginnt das große Schweigen.

20.30 Uhr: Bettruhe.

Das ist in der Tat nicht leicht – sondern eher das, was traditionell als ein “geistlicher Kampf” beschrieben worden ist.

Die äußeren Kämpfe sind die Treue zu den streng vorgeschriebenen Gebetszeiten, zum nächtlichen Aufstehen, zur körperlichen Arbeit, zum Opfersinn beim geduldigen Ertragen der Fehler der Mitbrüder.

Die inneren Kämpfe sind bei jedem Einzelnen verschieden. Das ist das Geheimnis der Seelen. Aber im Wesentlichen haben sie sich seit den ersten Mönchen nicht verändert. Sie setzen dieselben Feinde voraus: uns selbst mit unseren Schwächen und Niederträchtigkeiten, die Verdorbenheit der Welt und dieses Prinzip des Bösen, das wir den Teufel nennen. Der hl. Johannes Cassianus beschrieb diese Kämpfe um das Jahr 420 in dem grundlegenden Werk “Über die Grundsätze der [in einer Gemeinschaft lebenden] Mönche”. Seine Ausführungen über die acht Hauptlaster, die der Mönch bekämpfen muss, um ein völlig reines Herz zu bekommen, ist noch 16 Jahrhunderte später uneingeschränkt gültig.

Dazu kommt noch der Kampf um die Treue in der Trockenheit des Gebets. Man findet so leicht Ausreden, um nicht zu beten. Der liebe Gott ist ja so diskret! Doch belohnt er überreichlich den, der sich ohne Hintergedanken Ihm schenkt. Und welch große Hilfe finden wir in den Sakramenten (besonders in der hl. Eucharistie), in der gegenseitigen Unterstützung der Mitbrüder im gemeinsamen Klosterleben, in der Stille und im ganzen Rahmen unseres “guten Klosterlebens”, wie es Dom Gérard nannte!

Heute erleben wir auch wieder einen Kampf der Kulturen. Wie sieht die Realität des Katholizismus im säkularisierten Frankreich und in Europa aus?

Wie Sie mit Recht feststellen, ist die Säkularisierung das Hauptproblem. Mit anderen Worten: Die Gesellschaft und die Personen haben überall Schilder aufgestellt: “Betreten für Gott verboten!” Ihm steht kein Platz mehr zu, weder im politischen Leben noch im Familienleben und nicht einmal in dem Bereich, der von jeher der heiligste Bereich war, nämlich die Begleitung der Verstorbenen. Sogar der Zugang zu unseren Krematorien ist fortan Gott verboten.

Nun aber kann man im Gesellschaftsleben nicht ohne Gott auskommen, wie es Dostojewskij in den “Brüdern Karamasow” zu Recht feststellte (“Wenn es Gott nicht gibt, ist alles erlaubt!”)

Wir müssen uns also fragen: Wie können wir unseren Zeitgenossen helfen, den Sinn des Geheimnisses Gottes wiederzufinden? Sicher nicht durch Worte. Worte haben in unserer Welt des stetigen Geschwätzes keine Tragweite mehr. Die Welt braucht starke Zeichen. Die Klöster gehören dazu. Gegenüber der brutalen Welt des gegenwärtigen Atheismus ist die Existenz von Orten, die ganz dem Lob und dem ausschließlichen Dienst Gottes geweiht sind, vielleicht das einzig wirksame Mittel, um unseren Zeitgenossen den Sinn für Gott wiederfinden zu helfen.

Wer weiß, was morgen sein wird? “Die Zukunft gehört Gott!”, antwortet der Dichter Victor Hugo. Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem winzigen Samenkorn, das langsam wächst. Doch kann es zu einem Baum heranwachsen, in dessen Zweigen sich die Vögel des Himmels niederlassen können. Die Wahrheit ist eine kleine, zähe Pflanze, die eines Tages die Decke des atheistischen Asphalts heben wird.

Wie strahlt Ihre Abtei über Südfrankreich, ja ganz Frankreich, aus?

Viele Leute kommen und suchen hier, was sie andernorts nur sehr schwer finden: einen Ort des Gebets und der Stille. Das Beispiel einer einträchtigen Gemeinschaft. Darin besteht hauptsächlich unsere Rolle.

Vielleicht kennen Sie den großartigen Brief des verstorbenen belgischen Königs, Baudoin I., den er im Jahre 1984 einem Mann schrieb, der sich gegen die Religion auflehnte: “Ich beobachte, dass jedes Mal, wenn sich Personen bemühen, nach dem Evangelium zu leben, wie es Jesus uns lehrt, das heißt uns zu lieben, wie Er uns geliebt hat, eineWandlung beginnt: Aggressivität und Traurigkeit wandeln sich in Friede und Freude. Ich kann Dir gestehen, dass ich trotz all meiner Fehler und meiner Schwächen diesen Frieden und diese Freude erfahre, und das unabhängig von den Schwierigkeiten und Uneinigkeiten um uns herum. Niemand kann aus eigener Kraft diesen Frieden und diese Freude in seinem Herzen bewahren. Doch verspricht sie Jesus all denen, die Ihm nachfolgen möchten. Noch als Jugendlicher erfuhr ich, dass Gott uns in der Person Jesu Christi liebt und dass Er mich persönlich mit ungeheurer, unvorstellbarer, aber sehr konkreter Liebe liebt. Ab diesem Tag hat sich mein Leben geändert.”

Was machen Sie für die Mehrheit der Katholiken, die sich nicht mehr durch die Sakramente stärken lassen?

Sicher kennen Sie den Roman “Die Jerominkinder” von Ernst Wiechert. Der Held, Jons, ist der junge Sohn eines Köhlers und bekommt ein Stipendium. Er hat lauter übertriebene Begehren, doch führt ihn ein älterer Student, Jumbo, in die Realität zurück. Dieser rät ihm, das Landstück von 30 Morgen, das Gott ihm anvertraut hat, gut zu bestellen. Es geht nicht darum, “von einer Idee auszugehen und zu meinen, wir seien auf Erden, um diese in die Wirklichkeit umzusetzen”, sondern vielmehr darum, “unser Tagewerk so gut zu verrichten, dass wir etwas von den geernteten Früchten denen geben können, die eine schwierigere und ärmere Arbeit haben.” Folgendes Abschiedswort Jumbos an seinen Freund gefällt mir besonders gut: “30 Morgen, Jons! Nicht die ganze Welt; 30 Morgen, hörst Du?” rief er, als sich der Zug langsam in Bewegung setzte.

Als Klausurmönche versuchen wir, unser Bestes zu geben durch das Beten, ein Leben in der Stille, durch unsere Arbeit und die Verbreitung guter Bücher. Wir bestellen unsere 30 Morgen. Gott macht damit, was Er will. Wir sind nicht an der Stelle Gottes.

Welche Ratschläge würden Sie anderen Priestern oder Laien geben, um ihnen bei der Evangelisierung zu helfen?

Wenn jeder Christ seine Pflicht dort tut, wo Gott ihn hingestellt hat, wird sich die Welt wieder aufrichten: “30 Morgen, Jons! Nicht die ganze Welt; 30 Morgen!” Doch muss man mit dem Gebet anfangen. Das Gebet ist die Seele jeglichen Apostolats.

Beten ist heute notwendiger als in den vergangenen Jahrhunderten. Der selige Pater Marie-Eugène vom Jesuskind sagte das schon 1965 mit der ganzen Autorität, die ihm seine Erfahrung in der Seelenführung gab: “Inmitten einer Welt, die Gott immer mehr leugnet, wird es extrem schwierig, den Versuchungen der technischen Entdeckungen, in der sich die großartige Kraft des menschlichen Verstandes zeigt, zu widerstehen.” “In dieser Strömung, die die meisten Seelen zum Atheismus treibt, in dieser Flutwelle, die über uns alle hinwegrollt, kann nur eine gewisse Gotteserfahrung die Seele so stärken, dass sie widerstehen kann. Und diese Erfahrung finden wir nur im inneren und im betrachtenden Gebet… Es scheint mir, dass die meisten Seelen, die treu bleiben möchten, diese Gotteserfahrung brauchen, um nicht zu wanken, insbesondere, wenn sie ein Apostolat ausüben oder Mitmenschen unterstützen oder leiten sollen.” Das sagt alles.

Wovon leben die Mönche und Schwestern von Le Barroux hauptsächlich?

Im Laufe der Jahre haben wir verschiedene Werkstätten eingerichtet. Die wichtigste ist ein Geschenk des Priesterseminars von Gricigliano: unsere Ölmühle, die mehrere geschätzte Sorten von Olivenöl herstellt. Die Früchte unserer über 1.000 Olivenbäume werden hier verarbeitet, sowie die Ernte von Bauern der Gegend. Die Weinreben der beiden Klöster geben anerkannte Weine, die wir verkaufen und versenden (die besten sind Lux und Via Caritatis). Unsere Bäckerei-Konditorei liefert verschiedene Brot- und Gebäcksorten für den Klosterladen und den Versand. Wir geben religiöse Bücher heraus, insbesondere lateinisch-französische Messbücher und Werke über Gregorianik. Dazu kommen die vielen Posten im Kloster, mit dem Schwerpunkt auf dem Empfang der Gäste, die bei der Gemeinschaft Kraft sammeln wollen. Das Stundengebet können Sie online mitbeten, direkt oder nachträglich…

Die Abtei Sainte Madeleine du Barroux befindet sich 3 km entfernt vom Dorf Le Barroux zwischen Carpentras und Vaison-la-Romaine. Nächster Flughafen: Marseille-Provence. Autobahn A7, Ausfahrt Orange Sud oder Avignon Nord. Bahnhöfe: Carpentras (13 km) oder Avignon (38 km).

Weitere Informationen unter: www.barroux.org