Analyse: Ein gespaltenes Australien

Wenn die Sonne scheint – und das ist in Sydney oft der Fall – kommen zur Mittagszeit aus den Hochhäusern des Central Business District die Office Workers gepurzelt. Im kleinen City Park, zwischen der Auffahrt zur Harbour Bridge und den Büros von Paypal Australia und Deloitte gelegen, sitzen sie – in Kostüm, Krawatte, Anzug – auf den Parkbänken, in der linken Hand ein Sandwich und ein Smartphone in der rechten. Darauf lesen, liken und debattieren sie seit Wochen vor allem eines: die neuesten Nachrichten zur Einführung der “Homo-Ehe” in Australien. Wobei “Nachrichten” nicht der abgehobenen Rhetorik gerecht wird, mit der etwa der sonst seriöse “Sydney Morning Herald” berichtet.

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Mehr Pulverfass als Peripherie: Die Papstreise nach Burma und Bangladesch

Warum reist Papst Franziskus nach Burma und Bangladesch? Es ist weniger eine Reise an die Peripherie als mitten in ein Pulverfass hinein, dessen Herausforderungen globalen Rang haben. Wie brisant die Lage allein vor Ort in Burma ist, zeigt die Tatsache, dass der örtliche Kardinal dem Papst empfiehlt, das Wort “Rohingya” nicht einmal in den Mund zu nehmen.

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Sebastian Kurz – Europe’s Christian Chancellor

Austria’s next Chancellor is the commentariat’s new bête noire. But plenty of Christians are pleased by the 31-year-old’s ascent

Is Austria rediscovering its Catholic roots? Or is the country moving further away from Christian values under its soon-to-be head of government, Sebastian Kurz?

The 31-year-old Catholic’s recent landslide victory has caused considerable consternation across Europe’s commentariat, even among some Catholic observers. The German satirical magazine Titanic raised eyebrows by proclaiming on its front page: “Time travel in Austria: It’s finally possible to kill baby Hitler!” This was accompanied by an image showing cross hairs aiming at the heart of the young Chancellor-to-be.

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Europe at a Crossroads

On Sunday, the people of Austria elected a new government. At 31 years of age, Sebastian Kurz is poised to become Europe’s youngest head of government. The Chancellor-to-be of Austria is a Catholic who says of himself that he has a cross hanging in his apartment and that “the faith is very important to me”, though he doesn’t make it to church as often as he would like to.

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Braucht Deutschland einen “Thomas Morus des Frühstücksfernsehens”?

Warum es Politiker vom Schlag eines Jacob Rees-Mogg nicht in Deutschland gibt, mag mehrere gute Gründe haben. Die Tatsache, dass der britische Abgeordnete praktizierender Katholik ist, und dazu in der Öffentlichkeit mutig steht, sollte jedoch keiner sein.

Die deutsche Bundestagswahl findet am kommenden 24. September statt. Für nicht wenige katholische Wähler stellt sich die Frage: Für welche Partei soll ich angesichts der Entwicklung der letzten Monate und Jahre diesmal stimmen? In welcher Partei ist eine glaubwürdige Stimme praktizierender Katholiken zu hören, der ich Vertrauen kann?

„Es riecht nach der schlimmsten Form anti-katholischer Bigotterie“

Dass Entscheider und Meinungsmacher in Politik und Medien einen dafür angreifen, katholische Positionen zu vertreten: Das ist kein spezifisch deutsches Thema. Drastisch zeigt das der Umgang der US-Senatorin der Democrats, Dianne Feinstein, mit Amy Coney Barrett vergangene Woche. Das Verhalten der US-Politikerin gegenüber der Rechtsanwältin in einer Anhörung „riecht nach der schlimmsten Form anti-katholischer Bigotterie“, warnte der Theologie-Professor Chad Pecknold gegenüber CNA am 6. September.

Die Frage ist eher, warum die Stimmen praktizierender Katholiken nicht lauter vernehmbar sind.

Etwa die von Jacob Rees-Mogg in der TV-Sendung „Good Morning Britain“. Nach einer kurzen Frage über Einwanderungspolitik und den Brexit nahmen die Moderatoren Piers Morgan und Susanne Reid den Abgeordneten der „Tories“ ins Kreuzverhör, wie Autorin Mary Rezac in einem Artikel für CNA schreibt, zu seinen Ansichten über gleichgeschlechtliche Ehe und Abtreibung, die beide in Großbritannien legal sind.

Der 48 Jahre alte Rees-Mogg galt vielen bislang als exzentrischer, wenn auch eloquenter und beliebter Hinterbänkler. Seit kurzem wird der sechsfache Vater jedoch als möglicher Parteichef der Conservatives gehandelt, und sogar als möglicher zukünftiger Premier – obwohl er selber dies abstreitet.

Auf die mehrfach insistierte Frage der TV-Moderatoren nach seiner Meinung zu homosexueller Ehe antwortete Rees-Mogg, dass er die Lehre der Katholischen Kirche unterstützt, und dass diese Lehre „völlig klar“ sei.

Im weiteren Verhör sagte der Abgeordnete für North East Somerset, dass er zwar aus moralischen Gründen gegen homosexuelle Ehe und Abtreibung sei, aber auch zu der katholischen Lehre stehe, dass man andere nicht verurteilen soll. Zudem wies er darauf hin, dass sich die Gesetzeslage im Land nicht verändern werde aufgrund seiner religiösen Ansichten.

„Das sind alles keine parteipolitischen Fragen, es sind Fragen, über die im Parlament frei abgestimmt wird“.

„Sie werden nicht vom Premierminister entschieden, und es besteht keine Frage darüber, ob sie geändert werden sollen. Dafür würde es im House of Commons keine Mehrheit geben”, so Rees-Mogg weiter.

Dann fragte Piers Morgan ihn, ob die Bevölkerung einen Entscheidungsträger mit katholischen Ansichten akzeptieren würde.

„Ich denke, dass die Konservativen Gläubigkeit gegenüber sehr viel toleranter sind, und das sollten sie auch“, sagte Rees-Mogg.

„Es ist schön und gut zu sagen, dass wir in einem multikulturellen Land leben, es sei denn, man ist Christ, es sei denn, man hat die traditionellen Ansichten der Katholischen Kirche“, fügte er hinzu.

„Und das scheint mir fundamental falsch zu sein. Die Menschen haben ein Recht darauf, eigene Ansichten zu haben, aber die demokratische Mehrheit hat auch das Recht, die Gesetze im Land so zu haben, wie sie sind, was mit der Lehre der Katholischen Kirche nicht vereinbar ist und auch nicht in Zukunft vereinbar sein wird.“

Katholische Führungskräfte applaudierten dem Zeugnis des britischen Abgeordneten.

„Gut gemacht, Jacob Rees-Mogg! Danke Ihnen dafür, dass sie sich für Katholiken eingesetzt haben und klar aber sanft die Lehre Christi verkündet haben“, tweete Bischof Philip Egan von Portsmouth.

Luke Coppen, Chefredakteur des britischen Magazins „Catholic Herald“, bestätigte gegenüber Mary Rezac, dass es nicht das erste Mal war, dass ein katholischer Politiker in Großbritannien so antagonistisch angegangen wurde.

„Der Thomas Morus des Frühstücksfernsehens“

„Feindlichkeit gegenüber dem Katholizismus ist in Großbritannien nichts Neues. Tatsächlich ist das heute garnichts im Vergleich dazu, wie es im elisabethanischen Zeitalter zuging“ – einem Zeitalter, in dem es verboten und oft tödlich gefährlich war, Katholik zu sein, bemerkte Coppen.

Statt Angst zu haben vor der manchmal unvermeidbaren Reibung zwischen Glauben und Politik, sollten gläubige Katholiken weiterhin in der Öffentlichkeit dienen, so Coppen.

„Sie sind uns ein Vorbild: wir wollten immer anstreben, der ganzen Gesellschaft zu dienen, denn unser Glaube verpflichtet uns dazu“, sagte er.

Einige Beobachter haben das Zeugnis von Rees-Mogg sogar mit dem des heiligen Thomas Morus verglichen, der gegen die Wiederverheiratung von König Heinrich VIII war, nachdem diesem eine Annullierung seiner Ehe abgelehnt wurde und er daraufhin mit Rom brach und sich zum Oberhaupt seiner eigenen, anglikanischen Kirche machte. Die Treue zur Kirche kostete ihm das Leben, und der heilige Thomas Morus wird often als Schutzpatron der Religionsfreiheit angerufen.

„In der aktuellen Ausgabe des Magazins habe wir eine Schlagzeile, in der Rees-Mogg als ‘der Thomas Morus des Frühstückfernsehens’ bezeichnet wird“, so Coppen weiter.

„Das ist natürlich nicht ganz ernst gemeint, denn er war zwar sehr tapfer, aber er wird dafür wahrscheinlich nicht hingerichtet werden“. Allerdings, fügte Coppen hinzu, würden solche Katholiken im öffentlichen Leben wohl nicht mehr zu bestimmten Dinner-Parties eingeladen werden.

Bischof Mark Davies von Shrewsbury lobte auch Rees-Moggs Worte, und ermutigte Katholiken, weiterhin aktive, gläubige Teilnehmer am öffentlichen Leben zu sein.

„…jenseits des unmittelbaren Aufschreis bin ich mir sicher, dass Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie Jacob Rees-Mogg letzten Endes für ihren Mut und ihre Integrität geachtet werden“, sagte er gegenüber Mary Rezac.

„Ich bin davon überzeugt, dass wir in der Politik ein stärkeres christliches Zeugnis brauchen, nicht den Rückzug gläubiger Katholiken aus der Öffentlichkeit und den Debatten der Gegenwart. Die Herausforderung, vor der Christen heute stehen lassen uns deutlicher erkennen, warum der heilige Thomas Morus der Schutzheilige der Politiker ist“.

Die Bundestagswahl findet am 24. September 2017 statt. Die klugen Stimmen praktizierender Katholiken im Vorfeld mutig, laut und deutlich zu hören, ist sicherlich wünschenswert.

Gott sei Dank gibt es hierzulande aber auch mutige Stimmen; etwa die von Natalie Dedreux: Sie bewegte die Bundeskanzlerin mit ihrer Frage zur Abtreibung von Kindern mit Downsyndrom.

So unterhaltsam das wäre: Deutschland braucht nicht unbedingt einen “Thomas Morus des Frühstücksfernsehens”. Aber es braucht mutige Frauen und Männer, die nicht nur ihren Glauben leben, sondern dafür auch öffentlich einstehen: Klar in der Sache, sanft im Ton.

(Zuerst veröffentlicht bei CNA Deutsch)

Money can’t save German Catholicism. But a new Reformation could.

Note: My story of the materially wealthy, spiritually poor Church in Germany even made the front page of the August 17 edition of  the Catholic Herald.. Hope it helps to raise awareness of the issue: The need for a new ‘reformation’ of Catholicism in Germany. The first Catholic Reformation was the Counter-Reformation of course, and thanks to the Jesuits and a number of bright minds and prayerful souls, they achieved exactly the kind of things the Church in Germany – and elsewhere – once again desperately needs.

 

2017.08.11.jpgThe German Church is wealthy but in dramatic decline. Only a new ‘Reformation’ can save it

There is a paradox at the heart of German Catholicism today. On the one hand, the official figures paint a stark picture of continuing decline in terms of Church membership, Mass attendance and participation in the sacraments. On the other hand, the German Church is enormously wealthy and continues to wield significant influence both at home and abroad, not least in the Vatican. The combination of dwindling spiritual influence and major financial clout does not look healthy: no wonder one bishop, Rudolf Voderholzer, has called for a new “Reformation” of a different sort from Luther’s 500 years ago.

The latest figures from the German Bishops’ Conference (DBK) paint a familiar picture. Over 160,000 Catholics left the Catholic Church in 2016, while only 2,574 converted (most of them from Lutheranism). The total number of priests in Germany in 2016 was 13,856 – a fall of more than 200 from the previous year. Marriages, Confirmations and other sacraments are all in decline. The sacrament of Confession, which the DBK does not provide numbers for, has to all intents and purposes disappeared from many, if not most, parishes.

These latest figures are just the latest example of a long-term trend. Throughout the 1950s and 60s, the number of German Catholics going to church on Sunday was quite stable, reliably sitting between 11.5 and 11.7 million per year. Then from 1965 onwards, attendance suddenly began to drop: from 10.2 million in 1970 to 7.8 million in 1980, down to 4.4 million in 2000. By 2015, a mere 2.5 million Catholics went to church on Sunday. Meanwhile, the overall number of Catholics stands at 23.8 million – just less than a third of the total population. So it is no surprise that last year, only one in 10 German Catholics worshipped God on Sunday by attending Holy Mass. (And that figure is down one third from 2000.)

There is a high level of regional diversity across Germany, resulting in stark differences in the number of churchgoers depending on where you live. Attendance is lowest in the historically Catholic regions along the Rhine, with the dioceses of Aachen and of Speyer registering a rate of only 7.8 per cent of Catholics going to Mass on Sunday.

The highest rates of attendance can be found among the small diasporic communities in the formerly communist Eastern sector, in places such as Saxony or Thuringia. Here, attendance rates are closer to 20 per cent. A close second are some parts of Bavaria, home of Pope Emeritus Benedict XVI, where a long history of Catholic identity continues to show signs of life, growing, sometimes haphazardly, in an area famous for its baroque churches. These beautiful structures, evidence of the Counter-Reformation, are still standing thanks to the support of the Church; even if the Catholic Reformation’s exuberance, confidence and Lebensfreude are sorely lacking nowadays.

The reason why these churches and many other buildings, from Bavaria to the North Sea, continue to be lavishly maintained, though fewer and fewer people frequent them, is the same reason why dioceses have thousands of employees, and why the Church is one of the biggest employers in the country: it is because the Church can afford it.

As prescribed by the Church tax system, Catholics pay an amount equal to an additional eight or nine per cent – depending on which state they live in – of their income tax. From this source, the Church received the record sum of well over €6 billion (£5.4 billion) in 2016. Thanks to the booming German economy, the departure of many thousands of Catholics every year has not (yet) put a dent in the ecclesial coffers. What is more, many activities of the Church are fully or partly funded by the states, including educational institutions and even the salaries of most bishops. These commonly run to a monthly income of more than £9,000.

In every diocese, a plethora of jobs and roles proliferates, from diocesan artistic commissions fashioning museums and exhibitions to environmental engineers advising ecological experts on how to make parish outbuildings sustainable. In fact, the Catholic Church, together with the Lutheran Evangelical Church (EKD), is the second largest employer in the country, right behind the public sector. From kindergartens to schools, hospitals to retirement homes, meals on wheels to many more Caritas services, the Church is involved with German life at every stage and in every area.

She also runs a large network of charitable organisations that contribute aid and assistance to the tune of hundreds of millions of euros abroad. In 2015, projects in Africa, Asia, Latin America and Eastern Europe received more than €451 million in funding from German Catholic aid organisations.
With so much influence and money at hand, one might expect that the bishops would use this embarrassment of riches to spread the Gospel further and evangelise an increasingly secular society.

And yet, this is the one thing that appears to elude the Church in Germany, so flush with money: its core business of spreading the Gospel and watching over the sheep, helping a growing flock better to know, love and serve God.

“The faith has evaporated,” a wistful Cardinal Friedrich Wetter told me in 2014. Wetter, a deeply spiritual, prayerful cleric, was Archbishop of Munich and Freising from 1982 to 2007. He followed Cardinal Joseph Ratzinger in this role, and was the predecessor of Cardinal Reinhard Marx. We had spent the last hour mostly talking about Edith Stein, a saint he greatly admires. When I asked him why he thought this “evaporation” had taken place, he shrugged, biting his lip. It was the kind of shrug you make when asked about deterministic forces, things you cannot change.

When the Church’s current reality – spiritually impoverished and in decline, yet rich in material means – is actually discussed, two suggestions are brought forward. Some propose that the Church tax should be abolished. They seem to assume that if money will not solve the problem, then the absence of it will. (Though there is some merit to the idea, it is rarely thought through). The other response is an appeal for more heterodoxy.

Bishop Voderholzer, of the diocese of Regensburg, recently noted how “remarkable” these suggestions were. In a sermon that received widespread attention, the Bavarian bishop said: “Again and again, we’re sold the idea that there is a universal solution for reverting these trends and maintaining social relevance. We’re told that we must – I quote – ‘further open up and dismiss conservative dogmas’. We are then also told this means: abolition of priestly celibacy; abnegation of different responsibilities and vocations of women and men in the Church as well as the admission of women to the apostolic ministry.”

Instead of these debates and demands, Voderholzer proposed something different entirely. On the anniversary of a schism that is commonly called “reformation”, the bishop reminded his flock of a different meaning, which is the only way forward for the German Church:

“The first and foremost step on this path is the daily struggle for sanctity, listening to God’s Word and being prepared to start the reform of the Church with oneself. For that is what reformation means: renewal from within the faith, restoration of the Image of Christ, which is imprinted in us in baptism and confirmation. Where that is granted to us, by the grace of God, where this succeeds, we will also make the people of our time once again curious about the faith that carries us. And then we will also be able to bear witness to the hope that fulfils us.”

 

 

Why I love rainy Saturday mornings 

So the air is cool at about 13 degrees centigrade (55ish Fahrenheit) and the balmy water, ten degrees warmer, feels like silk. The pool is yours to lap, only three or four other people show up and no one gets in each other’s way. Bliss.

(I can’t really understand how people will rather stay in the indoor 25m pool when you have this beckoning outside. But boy am I grateful they do. )

My first swim session just over 3k this year. Slower than previously but could not care less. Really feels like I am back in the groove after spending the last 18 months mostly on dry land, setting up the freelance business and launching CNA Deutsch.  Still don’t really have time to swim but am doing it because I have missed it a lot and it keeps me sane, healthy and bloody happy. 

 

“Ihr seid nicht allein”: Norma und die Schwestern des Lebens (Radio Horeb Wochenkommentar)

(Erstausstrahlung als Radio Horeb Wochenkommentar am 25. Februar 2017)

“Ihr seid nicht allein”

Norma und die Schwestern des Lebens

Es ist schwer, in Worte zu fassen, was diese Frau erlebt hat, was sie durchmachen musste. Es ist kaum vorstellbar, mit welchen Schuldgefühlen sie jahrzehntelang gerungen hat.  Und wie sie Erlösung fand; vergeben lernte – auch sich selbst –; mutig wurde, ja, gegen alle Widerstände für die Wahrheit und die Liebe einstehen lernte.

Das Leben, die Bekehrung, und das Sterben der Frau, die unter dem Alias-Namen “Jane Roe” mit dem Gerichtsurteil “Roe versus Wade” Geschichte schrieb, ist Vorbild, Mahnung und Lehrstück für alle Frauen und Männer heute.

Auf den ersten Blick ist es der unglaubliche, teils tragische Lebensweg einer jungen Mutter, vom Aushängeschild für Feminismus und Abtreibung hin zur Katholikin und Lebensschützerin. Doch auf den zweiten Blick ist das Leben von Norma McCorvey eine Parabel für das Dilemma der modernen Frau, und eine bewegende Lektion für uns alle, denen die menschliche Würde am Herzen liegt.  

Die Geschichte von Norma McCorvey ist eine Geschichte über Vergebung, meint Marjorie Dannenfelser. Sie ist Vorsitzende der Lebensschutz-Organisation “Susan B. Anthony List”.

Als bekannt wurde, dass McCorvey am vergangenen Samstag gestorben war, sagte sie:  

“Letzten Endes war Normas Geschichte nach [dem historischen Urteil] Roe nicht eine der Verbitterung, sondern der Vergebung. Sie entschied sich für Heilung und Versöhnung durch ihren christlichen Glauben”.

Marjorie Dannenfelser weiter:

“Sie hat die Lügen der Abtreibungsindustrie und seiner Verfechter überstanden und das Wort erhoben gegen den Schrecken, der immer noch so viele betrifft (…) Ihr zum Gedenken und zur Ehre werden wir diese Arbeit fortsetzen, und wir beten für ihre ewige Ruhe.” Zitatende.

Norma McCorvey, die Klägerin mit dem Alias “Jane Roe” im Fall “Roe v. Wade”, der Abtreibung in den USA per Gerichtsentscheid legalisierte, starb am vergangenen Samstag im Alter von 69 Jahren. 

Der Fall begann während der sexuellen Revolution, den 1968ern. Schwanger mit ihrem dritten Kind, verklagte eine junge Norma McCorvey den Bundesstaat Texas. Sie wollte das Kind abtreiben – aber dies war nach damaliger Gesetzgebung illegal.

“Im Jahr 1973 war ich eine verwirrte 21-jährige mit einem Kind und einer ungeplanten Schwangerschaft”, sagte McCorvey in einem kürzlich erschienen Interview mit “VirtueMedia”.

Ihr Fall war angeblich der einer Schwangerschaft durch Vergewaltigung. Später gab McCorvey jedoch zu, gelogen zu haben; sie war nicht vergewaltigt worden. Man hatte ihr eingeredet, damit würde sie ihr Kind abtreiben können.

Tatsächlich steckt hinter dem historischen Verfahren das Schicksal einer Frau, die mit – Zitat – “Manipulation und Lügen und Druck” in ihre Rolle hineingzwungen wurde, sagt Jeanne Mancini, Vorsitzende des gigantischen “Marsches für das Leben” in Washington.

Wie auch immer: Der Fall ging bis vor den Supreme Court, den Obersten Gerichtshof. Mit seinem Urteil “Roe versus Wade” legalisierte dieser die Abtreibung in allen 50 Bundestaaten der USA.

Seit 1973 wurden in den USA über 50 Millionen Kinder abgetrieben.

Doch wie auch im Fall Doe versus Bolton – der am gleichen Tag entschieden wurde wie Roe versus Wade – hatte keine der Klägerinnen selber eine Abtreibung. Beide Frauen hatten letztlich das, was Jeanne Mancini als “diese radikale Bekehrung zur Wahrheit” bezeichnet und widmeten ihr Leben dem Schutz der angeborenen Würde des Menschen.

Bis dahin war es aber noch ein weiter Weg für Norma McCorvey. Statt ihr Kind abzutreiben brachte sie es zwar auf die Welt und gab es zur Adoption frei. Sie war Mutter dreier Töchter.  

Doch eine Zeitlang arbeitete sie sogar in einer Abtreibungsklinik; erst Jahre später trat sie an die Öffentlichkeit mit der Tatsache, dass sie die “Jane Roe” des historischen Urteils war. Dann, Mitte der 1990er Jahre, erlebte sie eine radikale Bekehrung. Sie wurde Christin und schloss sich der Lebensschutz-Bewegung an.

McCorvey selber erklärte einmal, wie es ihr dabei erging. Ich zitiere: 

“Als ich zu Gott fand, realisierte ich, dass mein Fall, der Abtreibung auf Abruf legalisierte, der größte Fehler meines Lebens war.” Sie fügte hinzu, dass “Abtreibung eine unendliche Zahl von Müttern, die abgetrieben haben, von Vätern und Familien verwundet”. Zitatende.

Obwohl schon als Christin getauft, fühlte sich McCorvey zum Katholizismus hingezogen. In einem Artikel für die Gruppe “Priester für das Leben” erzählte sie einmal, sie habe als Kind mit ihrer Mutter die heilige Messe besucht, da ihr Mutter katholisch gewesen sei. McCorvey schrieb:

“Ich mochte es unheimlich, war oft zu Tränen gerührt. Ich spürte die Gegenwart Gottes”, schrieb sie. Die Rituale und der Symbolismus der Kirche hätten sie sehr bewegt, so McCovey: “Die Prozession mit Priester und Ministranten, der Weihrauch, das Kreuz, die Kerzen, die Statuen und die Musik. Ich wusste, dass Gott überall ist, aber in katholischen Kirchen war ich Ihm besonders nah.”

McCorvey legte nach ihrer Bekehrung zum Katholizismus die Beichte ab und empfing die Sakramente der Erstkommunion und Firmung. Nach der Messe beschrieb sie, was sie während der Eucharistiefeier empfand. Ich zitiere:

“Mir war erklärt worden, was dies bedeutet. Jesus starb nicht wieder. Stattdessen zog Jesus uns in Sein Opfer hinein, machte es uns gegenwärtig, erlaubte uns, unsere Leben, unser Leiden mit Seinem zu vereinen. Das war und ist das Opfer, dass die Welt rettet, dass die Macht des Todes überwindet und die Macht der Abtreibung zerstört. In dieser Messe konnte ich an Ort und Stelle in den Kelch all die Tränen geben, die ich über die abgetriebenen Babies geweint habe, all die Scham, die ich jemals empfunden habe darüber, in einer Abtreibungsklinik gearbeitet zu haben und ein Aushängeschild für die Abtreibungsbewegung gewesen zu sein. An Ort und Stelle, so wie Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandelt wurden, konnte die ehemalige Jane Roe noch einmal jubeln über ihre Verwandlung in ein neues Geschöpf Christi.” Zitatende.

Norma McCorvey ist nun vor ihren Erlöser getreten. Doch ihr Vermächtnis, und der liebevolle Kampf für das Leben indessen ist lebendiger denn je.

Wer etwa den „Marsch für das Leben“ in Washington besucht, der sieht, was möglich ist, wenn Frauen nicht durchmachen müssen, was die Vorreiterin Norma McCorvey alias “Jane Roe” durchmachte. Dort begegnet der Besucher immer wieder einem Schwarm – meist junger – Frauen, gekleidet in einem langen, blauen Habit, deren weiße Schleier im Wind wehen. Es sind die Sisters of Life – die Schwestern für das Leben, und sie haben eine Botschaft für Frauen und die Lebensschutz-Bewegung: “Ihr seid nicht allein”.

1991 gegründet, zählt der Orden nun bereits 106 Schwestern. Das Durchschnittsalter ist 35 – und weitere harren der Aufnahme: Derzeit befinden sich 15 Postulantinnen und 18 Novizinnen in Ausbildung.

Tägliches Gebet und Kontemplation sind die Grundlage des Lebens der Schwestern.  Ihr Lebensmittelpunkt ist der gleiche, zu dem auch Norma McCorvey nach langer Suche gefunden hat: Die Eucharistiefeier.

Und da heraus kommt auch ein Geist, der liebt und versöhnt, und ganz praktisch hilft:

Etwa in der „Holy Respite Mission“: Hier können Frauen in Krisen-Situation eine Zuflucht finden. Dort, an der Upper West Side von Manhattan, leben die werdenden Mütter mit den Schwestern in der Gemeinschaft, beten mit ihnen und können geschützt und umsorgt auch ihr Kind austragen. Erst wenn sie bereit sind, wieder ein “normales” Leben zu führen, verlassen sie die Mission, und bekommen eine Starthilfe.

Wer die Arbeit von 1000 PLUS in Deutschland kennt, der weiß: So funktioniert Lebenschutz, in den USA wie auch in Europa. So wie Norma McCorvey Erlösung im Glauben und den Sakramenten fand, und auf den rechten Weg kam: So bringen die Schwestern des Lebens die Frohe Botschaft zu den Frauen und Kindern, die sie mit am meisten brauchen. Und sie sagen ihnen: Ihr seid nicht allein.

Der Dandy als Märtyrer und Katachrese

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Milo Yiannopoulos im Jahr 2014 (Foto: NEXTConf via Flickr (CC BY 2.0))

(Diesen Artikel lesen Sie auch in der Tagespost vom 25. Februar 2017 und als Wochenkolumne vom 25. Februar 2017 auf www.CNAdeutsch.de)

Wo er auftrat, flogen die Fetzen, und Millionen Menschen sahen dabei zu. Nicht wenige klatschten Applaus, andere dagegen tobten. Nun hat sich der in den USA lebende Brite Milo Yiannopoulos (33), Darling des globalen Phänomens der “alternativen Rechten”, selbst zerfetzt. Der Tabubrecher mit den vier Buchstaben wurde eines Tabubruchs überführt, der selbst in unserer Zeit noch Konsequenzen hat.

Wer ist Milo Yiannopoulos? Milo präsentiert sich als ein schwuler Katholik mit griechischen Wurzeln, britischem Akzent in der Stimme und blonden Strähnchen im Haar. Ein eloquenter Provokateur und telegener Sensationalist, der sich mit beißender Übertreibung und krudester Polemik über den Islam und Political Correctness äußert; der Feminismus als “Krebsgeschwür” bezeichnet und Donald Trump gerne “Daddy” nennt. Damit erreichte er als öffentlicher Redner und Journalist der umstrittenen Nachrichten-Seite “Breitbart” ein Millionenpublikum.

Öffentlich geriert sich Milo stets als rüder “Kämpfer für die Meinungsfreiheit”. Sichtlich gefällt er sich in der Pose eines furchtlosen Wahrheit-Sagers, dem nichts heilig ist, aber der schon mal gute zehn Minuten damit verbringen kann, einem Saal voll Uni-Studenten zu erklären, warum der katholische Glaube “mit allem recht hat” – um dann detailliert zu schildern, warum er am liebsten mit Afro-Amerikanern intim wird.

Je polarisierender seine Polemik, je heftiger die Reaktionen, desto besser, schien es. Seine “Dangerous Faggot Tour” – die “gefährliche Schwuchtel-Tournee” – durch amerikanische Universitäten war begleitet von Protesten. Sein Auftritt an der University of California, Berkeley, musste abgesagt werden, weil es zu Krawallen kam. Der Popularität seiner Person tat dies keinen Abbruch. Im Gegenteil. Da, wo sich Milo zum Opfer und Sieger gleichzeitig stilisieren konnte, wurde er zum Gewinner. Bislang zumindest.

Denn nun ist Milos Höhenflug erst einmal vorbei. Den Job als leitender Redakteur bei Breitbart ist er los (er kündigte, “um Breitbart zu schützen”). Sein Buch-Deal mit dem Verlag “Simon & Schuster” wurde gestrichen. Der Tabubrecher stürzte über seine eigenen, abstossenden Worte über Päderastie.

In Videos, die jetzt an die Öffentlichkeit gespielt wurden, ist zu hören, dass Milo den sexuellen Umgang älterer Männer mit heranwachsenden Jungen für alles andere als inakzeptabel hält.

Die Supernova explodierte. Hinter einer Sonnenbrille versteckt trat Milo im Maßanzug vor die Presse und teilte mit, er bereue, “dass mein üblicher Mix aus schwulem britischem Sarkasmus, Provokation und Galgenhumor als Frivolität rübergekommen ist; als ein Mangel an Sorge um andere Opfer, oder schlimmer noch, als würde ich dies, in manchen Fällen, unterstützen”. Dies sei nicht der Fall. Für erwachsene Menschen, die Minderjährige missbrauchen, empfinde er nichts als Abscheu.

Freilich entbehrt es nicht einer gewissen tragischen Ironie, dass Milo Yiannopolous selber Opfer sexuellen Missbrauchs durch einen katholischen Priester ist. Er ist über den einen Aspekt seiner Person gestolpert, in dem er selber ein echtes Opfer ist.

Warum aber bleibt das Mitleid für das Opfer Milo aus? Ganz einfach: Der Dandy macht als Märtyrer eine schlechte Figur. Märtyrer sterben für ihren Glauben. Wie alle Heiligen ist ihr Leben letztlich – trotz aller “Brüche” – aus dem einem, richtigen Guss. Ein Dandy verkörpert dagegen den Bruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen Wahrheit und Rhetorik als Haltung. Ja, mehr noch: “Der Dandy, so scheint es, ist eine Katachrese!”, wie der Literatur-Theoretiker Axel Fliethmann schreibt, und erklärt: “Als Abweichung von Sprachkonventionen gehört die Katachrese zum rhetorischen System und als Missbrauch von tropischer Sprechweise (die sogenannte verunglückte Metapher) verstößt sie gegen das Regelwerk der Rhetorik, unterminiert das ganze rhetorische System. Die Katachrese ist weder eigentlicher noch figuraler Ausdruck – oder eben beides.”

Tatsächlich ist hier der Schlüssel zum Verständnis einer wandelnden Katachrese wie Milo, aber auch zum Vexierspiel des so unglücklich mit “postfaktisch” bezeichneten Phänomens einer “alternativen Rechten” und ihrer Protagonisten. Auch sie unterwandern rhetorisch Wahrheit und Anspruch, ja, sie verkörpern diesen Bruch.

Gewiss: Nur weil Populisten, Poser und Performer kommen und gehen, heißt das nicht, dass die Wahrheiten, derer sie sich bedienen, gleich falsch wären. Der Punkt ist, dass sie diese nicht leben. Milo mag weg sein, doch längst bedienen sich andere der Wahrheit und  gerade auch katholischer Inhalte. Sie bemächtigen sich dieser, um rhetorische Pflöcke einzuschlagen, die jedoch nur der eigenen Agenda dienen, nicht dem Königreich Gottes. Das gilt nicht nur für US-Präsident Donald Trump und seinen Chefstrategen (und ehemaligen Breitbart-Chefredakteur) Steven Bannon. Es ist leider auch wahr für ihre viele ihrer politischen Kontrahenten.

Gelöst wird dies nicht durch brust-trommelnde Empörungsgesten und moralisierendes Mobbing; und schon gar nicht durch politisches Agieren, das dann als der Vorwurf von “Denkverboten” und “Gesinnungsterror” zurückgeworfen werden kann. Gelöst wird es durch Aufklärung im besten katholischen Sinne: Dass die objektive Wahrheit nicht Werkzeug zur Selbstdarstellung und Verzerrung ist, auch nicht zur Relativierung und Instrumentalisierung, sondern Fundament und Rahmen allen Lebens, auch und gerade des eigenen.  

Nicht nachmachen also, sondern besser machen: Das ist die Antwort auf Dandies und andere Katachresen. Nicht Milo spielen, sondern etwa auf Mutter Angelica hören, der Gründerin von EWTN, von der nicht nur Papst Franziskus sagt, dass sie im Himmel ist.