Hoch hinauf zu den Horizonten

Über die Rolle katholischer Medienarbeit und das Selbstverständnis von CNA Deutsch, dem jüngsten Ableger der internationalen Catholic News Agency

Zwei Herren gehen nebeneinander auf einem einsamen Feldweg im Schwarzwald, den Rücken zum Beobachter. Es ist September. Das Jahr: 1966. Der linke Mann ist ein führender Vertreter der modernen, säkularen Öffentlichkeit. Der rechte Herr ist ein führender Vertreter der modernen, säkularen Philosophie. Der Weg der beiden führt leicht bergan, scheinbar auf einen farblosen, ungewissen Himmel zu.

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Titel-Illustration aus Vatican-Magazin (1/2016)

Auf den ersten Blick hat das bekannte Bild, eine Schwarz-­Weiß-­Fotografie der legendären Begegnung von Rudolf Augstein mit Martin Heidegger, nichts mit Kirche oder Kommunikation zu tun, geschweige denn mit der Frage nach Wesen und Funktion eines katholischen Journalismus. Auf den zweiten Blick jedoch illustriert diese Photographie den Ausgangspunkt christlicher Medienarbeit in der heutigen Gesellschaft im Allgemeinen; und den Ansatz der internationalen Catholic News Agency (CNA) im Besonderen.

Werfen wir also noch einmal einen Blick auf die Szene im Schwarzwald. Dem Glauben den Rücken gekehrt, schreiten Öffentlichkeit und Philosophie, personifiziert durch Augstein und Heidegger, in eine unklare gemeinsame Zukunft, vereint im Bruch mit der Lehre und Lebenswelt der Kirche sowie den eigenen katholischen Wurzeln. Sie wandern auf den grauen Horizont der Moderne zu, Ausdruck der säkularisierenden Gesellschaft, die einen eigenen Anspruch auf Universalität hat, die sich abwendet und entfernt vom universalen Anspruch der katholischen Kirche. Wie Navid Kermani vor Wochen in einem Gespräch mit Erzbischof Georg Gänswein sagte: Der deutsche Geist schaut gerne in den Himmel, “auch wenn er für manche irgendwann leer wurde”.

Der leere Horizont der Moderne und die gesellschaftliche Ausrichtung und Bewegung daraufhin stellt bekanntlich für die Kirche eine enorme Herausforderung dar, auf die mehrere Päpste, darunter Heilige, antworteten. Bezeichnend ist, dass bis heute die Enzyklika Humani Generis, die Antwort auf das Denken, das Heidegger mit entwickelt hat, einer verbindlichen Einordnung bedarf.

Auch wenn – oder gerade weil – diese Einordnung fehlt, bedarf es in unserer Gegenwart einer fortdauernden, hermeneutischen Verschmelzung der katholischen und säkularen Horizonte, um es mit dem Heidegger­-Schüler Gadamer auszudrücken. Diese Hermeneutik der Verschmelzung leisten aber nicht Päpste oder Theologen, sondern die Realität der Massenmedien – genauer: Die beiden Realitäten der Massenmedien, wie Niklas Luhmann schreibt. Einerseits die Realität, innerhalb der Medienarbeit, sei es Print, Fernsehen, Radio oder Internet entsteht, andererseits die Realität, welche die Medien für ihre Beobachter erzeugen.

Für alle, die es zumindest intuitiv spüren, ist es einer der Gründe, warum der katholische Journalismus so reizvoll ist: Mit jeder neuen Geschichte geben katholische Medien auch eine neue Antwort auf die Frage, wie die wundersame und wunderschöne, heilige katholische Kirche unseres Herrn und Erlösers auf dem felsenfesten Grund des Petrus-Amtes agiert.

Klar: Was und wie da alles berichtet wird, in Form von Nachrichten und Kommentaren, Analysen und Essays, das ist so vielfältig wie die Bandbreite der verfügbaren Dienste. Sie reicht von der ehrenwerten KNA über das furchtlose Kath.net der Kollegen in Linz und Rom, bis hin zu Zenit e tutti quanti plus einer Reihe formidabler Printmedien, darunter insbesondere das Vatican-Magazin und die Tagespost.

Nicht alle Medien sind im Schwarzwald unterwegs, nicht alle führen aus dem Wald heraus; manche scheint es sogar hineinzudrängen; vielleicht weil sie die katholische Welt vor lauter modernistischem Gestrüpp nicht mehr sehen können (oder wollen). Andere sammeln köstliche Pilze am Waldrand, oder schlagen mutig mit Macheten gute Pfade durch dunkles Unterholz.

Hier kommt die Catholic News Agency ins Spiel. Denn sie gibt – nun auch in deutscher Sprache – mit Blick auf beide oben genannten Realitäten eine eigene Antwort.

Erstens ist sie nicht im schönen Schwarzwald geboren. Sie wurde von einem deutschen Missionar 1980 in Peru gegründet. Die Realität dieser Agentur ist heute, 35 Jahre später, die einer internationalen, multilingualen Organisation. Ein weltweit gespanntes Korrespondenten­-Netz berichtet aus allen Ecken der katholischen Welt, besonders natürlich aus dem Vatikan und über die neuesten Aussagen des Heiligen Vaters. Das ist der operative Horizont der CNA, den sie teilt mit der spanischsprachigen Schwester-Agentur ACI Prensa, zu der wiederum auch portugiesische (ACI Digital) und italienische (ACI Stampa) Agenturen gehören. Als Geschwister sind sie Teil der Familie von Mutter Angelica, also EWTN, dem weltgrößten religiösen Medienhaus.

Zweitens ist der ewige Horizont der CNA nur einer: Jesus Christus. Es geht uns nicht darum, seine Kirche mit dem Horizont der Moderne zu verschmelzen, sondern die Moderne durch den Horizont der Frohen Botschaft zu evangelisieren. Aus diesem Grund ist CNA Deutsch kein kommerzielles Projekt, sondern spendenfinanziert – und kostenfrei: CNA stellt seine Inhalte (Texte, Bilder, Videos) allen zur Verfügung; egal ob sie Privatpersonen, kirchliche oder kommerzielle Einrichtungen sind. Quellenangabe genügt.

Durch Gottes Gnade wissen wir, was Martin Heidegger sich mühsam in dem Gespräch mit Rudolf Augstein abgerungen hat, das Anlass war der eingangs erwähnten Fotografie, und das dem Interview seinen eindrücklichen Titel gab, als es 1976 erschien: „Nur noch ein Gott kann uns retten“. So war es, so ist es, und so wird es immer sein. Dies der Welt zu sagen, immer wieder und in allen Umständen: Das ist der Hintergrund der Arbeit von www.CNAdeutsch.de

Erstpublikation in Vatican Magazin (Heft 1, Januar 2016) – Artikel als PDF laden