Luxusprobleme, die wir uns leisten können – aber andere Katholiken auf dieser Welt immer weniger

Ein Skandal beschäftigt die Katholiken in den USA dieser Tage: Ein leitender Mitarbeiter des CRS (Catholic Relief Service – so etwas wie die “Caritas International” der US-Bischofskonferenz), lebt in einer sogenannten “Homo-Ehe”. Klar, dass  viele Katholiken dazu eine Meinung haben, und Diskussionsbedarf herrscht. Aber:

“Haben wir nicht drängendere Probleme?”

Diese Frage stellt zumindest John L. Allen in seiner aktuellen Kolumne. Der erfahrene Journalist und Vatikanist macht darauf aufmerksam, dass für Katholiken in vielen Teilen der Welt solche Themen Luxusprobleme sind. Mit anderen Worten:  Probleme, die sich nur wohlhabende und sicher lebende Kulturen und Kirchen leisten können.

Dagegen berichtet Bischof Anthony Muheria von Kitui in Kenya etwa, dass seine Priester mit der Frage ringen, ob sie ihren Schäfchen eine Zeile aus dem Qu’ran beibringen sollen. Damit die das nächste Mal, wenn ein islamischer Extremist ihnen den Lauf einer Kalaschnikow ins Gesicht hält, als Muslime durchgehen können. Am 2. April haben Mitglieder der radikal-islamischen “Al Shabab” mit der Frage nach dieser Zeile die christlichen Studenten von den muslimischen aussortiert. Die Christen wurden hingerichtet, die Muslime wurden freigelassen. 150 Menschen starben. “Wir werden bedroht, als Christen, und unsere Institutionen verteidigen uns nicht”, erklärte Bischof Muheria am vergangenen Montag (20. April 2015) bei einem Aufenthalt in Rom.

Kenya ist kein Einzelfall. John Allen berichtet von weiteren Fällen, etwa aus dem Nahen Osten. Oder denken wir an Pakistan, wo ein 12-jähriger Bub von zwei muslimischen Männern angesprochen wurde, welcher Religion er sei. Auf seine Antwort, er sei Christ, beschimpften ihn die Männer, übergossen ihn mit Kerosin und zündeten ihn an. Der Junge starb Tage später im Krankenhaus.

(CC Image by Josh S via Wikimedia)
(CC Image by Josh S via Wikimedia)

In Deutschland dagegen haben wir – Gott sei Dank – auch vergleichsweise “Luxusprobleme” in der Kirche. Themen wie “Fairer Handel”, “Umweltmanagement” und der Umgang mit Katholiken, die sich staatlich scheiden lassen und dann wieder heiraten, aber zur Kommunion wollen: Das beschäftigt uns, beschäftigt die innerkirchlichen wie weltlichen Medien. Damit sind die Gremien und Referenten befasst. Klar: Wir haben auch Experten, die sich mit dem Islam und dem Islamismus befassen, den verfolgten Christen, die zu uns kommen – wie zum Teil auch ihre Verfolger – und für die Menschen einsetzen.

Aber.

Die Frage ist eine Frage der Prioritäten. Wie setzen wir unsere?  Natürlich kann man das eine tun und das andere nicht lassen, aber nur bis zu einem bestimmten Grad. Wenn wir in einer solchen Situation steckten wie unsere Geschwister in Pakistan, Teilen Indiens, in Malaysien, Syrien, Libyen, Sudan oder Somalia, dann wären sie klar. Wie sagte der nun heilige Papst Johannes Paul II. schon 1976: “Wer ist der nächste?” Das sollte Leitfaden unseres Handelns sein, auch und gerade mit Blick auf die Werke der Barmherzigkeit, die wir als Katholiken aufgerufen sind, zu tun.