Das Zeug zum Märtyrer?

(Original veröffentlicht als “Standpunkt” auf katholisch.de)

Klarer geht es nicht. Vom Karfreitag über Ostersonntag bis zur Ansprache beim Regina Caeli am gestrigen Ostermontag: Immer wieder hat Papst Franziskus in den vergangenen Tagen auf die Christenverfolgung verwiesen und Konsequenzen gefordert. Gestern hat er wieder an die Weltgemeinschaft appelliert, endlich einzuschreiten “angesichts solch inakzeptabler Verbrechen”. Heute gebe es mehr Märtyrer als in der Frühphase des Christentums; die Welt mache sich zum “stillen Komplizen”, wenn sie den Blick abwende, so Franziskus wörtlich.
 
Das hat gesessen. Zumindest bei mir, wie ich so am Kachelofen saß, im tief verschneiten Ammertal, umgeben von meinen seligen Kindern, von Hefezopf und Ostereiern, den Weihrauch der Eucharistiefeier noch im Janker. Die Worte von Franziskus rissen mich aus der Beschaulichkeit und riefen die jüngsten blutigen Bilder ins Gedächtnis: Der Innenhof einer Universität in Kenia, bedeckt mit den blutigen Körpern dutzender junger Christen, systematisch aussortiert und hingerichtet.
 
Eine unangenehme Frage drängte sich auf, die sich wohl immer mehr von uns in letzter Zeit stellen: Wie würde ich damit umgehen, wenn meine Familie oder ich in eine solche Situation der Bedrängung oder Verfolgung kämen, Gott behüte? Würde ich für meinen Glauben wirklich sterben wollen, können? Dieser Gretchenfrage folgten weitere: Habe ich bislang nicht auch den Blick abgewendet? Habe ich feige relativiert und verharmlost? Habe ich letztlich falsche Prioritäten gesetzt? Und: Was kann, was muss ich tun? Was müssen wir alle tun?
 
Die herrliche Antwort lieferte Franziskus gestern mit: Er erinnerte uns an den Sieg des Lebens über den Tod, den gerade Ostern darstellt. Mehr noch: Die Auferstehung, so der Papst wörtlich, ist auch “das schönste Geschenk, das der Christ den Brüdern und Schwestern anbieten kann“. In dieser Gewissheit ist die gute Antwort auf unangenehme Fragen. Christus ist auferstanden! Das soll unser Leben bezeugen. Nicht mehr und nicht weniger.