Wenn Eltern ihre Kinder bekehren: Auch das ist der “Weg der Familie” für die Kirche

Wie vielerorts wurden am gestrigen Sonntag in unserer Pfarrei die Kinder vorgestellt, die in diesem Jahr zur Erstkommunion gehen. Wie vielerorts waren darunter Kinder (und Eltern), die wir jeden Sonntag sehen. Wie vielerorts waren darunter auch “Oweikis” (Ostern-und-Weihnachten-Kirchgänger) und solche, die sonst gar nicht in die Kirche gehen. Eine ganz normale Pfarrei in Deutschland im Jahr 2015 eben. So normal, dass es den meisten wohl gar nicht aufgefallen ist. Einem aber schon, wie mir mittlerweile klar geworden ist: unserem Pfarrer.

Nach der Messe standen wir vor der Sakristei und warteten darauf, dass die Kinder heraus kommen. Wir, das sind ein bunter Haufen Ministranten-Eltern: Einige gehen seit Kindesbeinen in die Kirche. Aber nicht wenige sind ehemalige Oweikis. Das fiel mir erst gestern auf, als sich die Sakristei-Tür öffnete und der Pfarrer den Kopf herausstreckte: “Griaß Eich Gott!” lächelte er in die Runde, und sagte dann mit Blick auf ein paar meiner Ex-Oweiki-Freunde: “Mei. Hoffentlich werden auch wieder viele unserer neuen Erstkommunionkinder Ministranten. Dann kommen nämlich noch mehr Eltern wieder regelmäßig zur Messe. So wie Ihr auch!”

Aha. Unser Pfarrer sorgt also erst einmal mit den Tischmüttern und Mitstreitern dafür, dass die Mädchen und Buben gut auf das Sakrament vorbereitet werden. Dann ermutigt er alle Kommunionkinder mehrfach, Ministrant zu werden. Die Folge ist nicht nur, dass wir in unserem 2.500-Seelen-Dorf keinen Ministranten-Plan brauchen, und an hohen Feiertagen schon mal knapp 30 Minis im Altarraum stehen. Die Folge ist auch, dass einige Eltern über ihren Nachwuchs (wieder) Zugang zur Eucharistiefeier und dem ganzen Gemeindeleben darum herum haben. Wenn Kinder Oweikis bekehren: Das muss jetzt nicht gleich ein Erfolgsrezept für die Neuevangelisierung sein. Aber es zeigt, was alles gemeint sein kann, wenn das Arbeitspapier der Familiensynode – Familiaris Consortio zitierend – Familie als “Weg der Kirche” beschreibt.

(Ursprünglich veröffentlich als Standpunkt auf www.katholisch.de)