“Stellvertreterkrieg im Vatikan”

Ein eigenes Gebet hat unser Papst für die Bischofssynode verfaßt, die vom 5. bis zum 19. Oktober in Rom stattfindet, und deren Thema “die pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung” sind. Oder zumindest sein sollten. Statt dessen geht es seit Monaten vor deren Beginn um Einzelfragen und Teilaspekte; vor allem um die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion. Und der Streit spitzt sich zu.

Warum? Der australische Kardinal und Papst-Vertraute George Pell bringt es in einem jetzt veröffentlichten Text knallhart auf den Punkt: “Gesunde Gemeinschaften verbrennen den Großteil ihrer Energien nicht auf nebensächliche Themen”, schreibt er mit Blick auf die Auseinandersetzung. Inzwischen habe sich an dieser Frage ein Kampf entzündet, der viel mehr verhandle als nur diese Minderheiten-Problematik.

Auch wenn man die Haltung Pells zur Zulassungsfrage nicht teilt – mit einem hat der australische Kardinal recht: Einen Stellvertreterkrieg anhand dieses Themas zu führen ist weder hilfreich noch angebracht. Vielmehr macht ein solcher deutlich, wie wichtig und dringend nötig eine Synode über die Familie ist. Denn sie ist nicht nur das unverzichtbare “Fundament der Gesellschaft” (Gaudium et Spes, 52), sondern sollte als “Hauskirche” auch eine “Schule und Vorbild” für unseren Umgang miteinander sein (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 2027). Wenn es nur so wäre.

(Ursprünglich veröffentlicht als “Standpunkt” auf www.katholisch.de)