Die Filter-Blase platzen lassen: Persönliche Propaganda im Zeitalter der Sozialen Medien

"The Soap Bubbles" by Charles Chaplin
“The Soap Bubbles” by Charles Chaplin

Hätten Facebook und Whatsapp den Krieg im Gazastreifen verhindern können? Und wenn ja, sollten sie? Diese Fragen wirft einer der wenigen auf, die das ernsthaft können: der Daten-Wissenschaftler Gilad Lotan.

In einem Essay über “Soziale Netzwerke und die Kunst der personalisierten Propaganda” analysiert Lotan die Konsequenzen der Tatsache, dass wir dank der Sozialen Medien zwar viel mehr direkte Informationen von etwas bekommen, etwa erschütternde Bilder über Twitter aus Gaza. Wir sind aber nur vermeintlich näher dran. Vielmehr bestätigen “die Sozialen” mit ihren algoritmisch maßgeschneiderten Info-Strömen uns nur in unseren (Vor-)Urteilen. Eli Pariser hat dafür den Begriff der Filterblase geprägt: Wer in dieser Echokammer steckt, erhält nur die Informationen, die er will. Dies, zeigt Lotan, schürt etwa im Fall Gaza letztlich Hass, Anti-Semitismus und ähnliches.

Ist das Gegenteil potentiell möglich? Soziale Medien könn(t)en die öffentliche Meinung positiv verändern, spekuliert Anil Dash. Wollen wir also “Friedensblasen”? Es ist eine gefährliche Versuchung, auch für die Kirche. Im Zeitalter “personalisierter Propaganda” reicht es aber nicht, in der eigenen Filterblase zu schwimmen; auch weil damit unser Glaube nur noch mehr an der Relevanz verliert, die schon die bisherige Realität der Massenmedien untergräbt. Wir können, ja, müssen vielmehr diese Filterblasen platzen lassen.

(Zuerst publiziert als “Standpunkt” auf http://www.katholisch.de am 7. August 2014)