Unbequeme Fragen

Die Flüchtlinge von Krieg und Terror sind längst sichtbarer Teil unserer Gesellschaft – und es werden täglich mehr. Einrichtungen wie die Caritas und engagierte Laien vor Ort kümmern sich beispielhaft um sie. Nur: Welche Antwort haben wir parat, wenn der Krieg und Terror zu uns kommen, vor dem diese Menschen flüchten?

“Isis bildet Kämpfer für Anschläge in Europa aus” – so die Schlagzeile auf der Titelseite der FAZ vom Montag. Im Interview spricht Gilles de Kerchove, EU-Koordinator für Terrorismusbekämpfung, nicht nur von entsprechenden Hinweisen. Er verweist auch nüchtern darauf, dass aus Europa in den Krieg gezogene Islamisten längst wieder zurückgekehrt sind. Das zeige wohl auch der Anschlag auf das jüdische Museum in Brüssel, und vereitelte Attacken in Frankreich und Großbritannien. Ist es nur eine Frage der Zeit, bis Islamisten auch in Deutschland zuschlagen?

Bekanntlich arbeiten die Innenminister der EU wie auch von Bund und Ländern daran, dies zu verhindern. Islamisten sollen an der Ausreise gehindert werden, ebenso wie an der Rückreise aus Kriegsgebieten. In deutschen Hochburgen der Salafisten sollen neue Aussteigerprogramme denen helfen, die sich von der aggressiven Missionierung in den Sozialen Medien, an Schulen und Jugendzentren angesprochen fühlen. Helfen sollen auch Netzwerke aus Moscheenvereinen, kommunalen Ämtern, Sozialverbänden und Polizei.

…und was ist mit uns? Was tun wir, was tun die Kirchen? Ist dieser Rand der Gesellschaft nicht besonders der Evangelisierung bedürftig? Ist das Angebot der Islamisten attraktiver oder gar überzeugender als die Schönheit und Wahrheit der Frohen Botschaft? Oder zumindest als die Art und Weise, wie wir diese vorleben und verkünden? Unbequeme Fragen, gewiss. Wir sollten uns diesen stellen, bevor wir ganz anderen Antworten gegenüber stehen.

Publiziert in der Kolumne “Standpunkt” auf http://www.katholisch.de20140623-084450 pm-74690718.jpg