Wahlkampf, Kulturkampf, oder einfach Krampf?

Er will Kreuze und andere religiöse Symbole aus dem öffentlichen Raum verbannen: SPD-Spitzenkandidat und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz. Seine Begründung? „Das Risiko einer sehr konservativen Bewegung“; diese müsse im Sinne der Anti-Diskriminierung „bekämpft“ werden, so Schulz vor laufenden Kameras. Will Martin Schulz bewußt provozieren? Atheistische Wählerstimmen sammeln? Oder will er wirklich unsere Gipfelkreuze verbieten? Kruzifixe, Mariensäulen, Marterl und Prozessionen verbannen?

Die Forderung und Aussagen des SPD-Politikers und EU-Parlamentspräsidenten sind in mehrfacher Hinsicht fragwürdig, egal ober sich nun als Brandstifter oder Kulturkämpfer profilieren möchte.

Erstens bedient ausgerechnet Schulz, seit 20 Jahren Mitglied des Straßburger Europa-Parlaments, damit das Vorurteil einer realitätsfremden Eurokratie: Einer von Lobbyisten und Ideologen getriebenen Bürokratie-Zentrale, gegen die er sonst gerade eloquent Wahlkampf macht. Wir brauchen eine EU-Politik, die besser ist. Europa “muss demokratischer werden, transparenter und gerechter” – sagt Schulz. Um dann Forderungen aufzustellen, die das Gegenteil heraufbeschwören.

Zweitens, was noch viel schwerer wiegt: Martin Schulz setzt in seiner Aussage das Christentum mit „konservativen Strömungen“ gleich. Diese will er auch noch – wörtlich – „bekämpfen“. Und zwar im Sinne einer „Anti-Diskriminierung“. Dies ist eine gefährliche Neu-Auflage des Kulturkampfes, die auch viele katholische Politiker von SPD und Grünen nicht mittragen.

Wer das urchristliche Ideal von einem vereinten, friedlichen Europa instrumentalisiert, um die jüdisch-christliche Prägung unseres Kontinents und letztlich die Ausübung unserer Religionsfreiheit zu „bekämpfen“, der veranstaltet nicht nur einen Kulturkampf oder einen Wahlkampf, sondern – wie wir Bayern sagen – einen rechten Krampf. Die Frage ist nur, ob ein kluger Stratege wie Schulz das auch ernst meint, oder ganz bewußt zündelt.

So oder so hat der ganze K(r)ampf etwas Gutes: Er macht die Wahl und unseren Glauben zum Thema und ermutigt, vom Wahlrecht Gebrauch zu machen. Am kommenden Sonntag, 25. Mai 2014, sind wir Bürgerinnen und Bürger am Zug.20140519-054809 pm-64089999.jpg

Image source: European Parliament

(This is a crosspost of my weekly column “Wimmers Woche” on Münchner Kirchennachrichten)