Mitreden und Einbringen! oder: Forderung nach einer Pisa-Studie der Werte-Erziehung! oder: Was Nelson Mandela mit der PISA-Studie und der Vatikan-Umfrage zu Familie und Ehe zu tun hat…

Was meinen Sie? Welche PISA-Werte erzielen wohl die Kinder an der kleinen Grundschule der Methodisten in einem Dorf bei Umtata, mitten in Südafrika? Oder die Schüler des “Healdtown Methodist College”, zwei hundert Kilometer weiter? Beide Schulen hat ein gewisser Nelson Mandela besucht, der nun, im Alter von 95 Jahren, als historische Figur des Widerstandes gegen die Apartheid und erster schwarzer Präsident der Republik verstorben ist. Die Stimmen der Öffentlichkeit übertreffen sich nun gegenseitig im Versuch, diesen Helden angemessen zu würdigen. 

Als ich in Südafrika lebte, als kleiner Bub in den 1980er Jahren, schien das noch unvorstellbar. Da war Mandela in der Öffentlichkeit ein “Terrorist”. Und seine Partei, der ANC, der African National Congress, eine kommunistische Terror-Truppe. Meine Eltern und andere – Deutsche wie Südafrikaner, Weiße wie Schwarze – erklärten mir freilich damals schon, was die Wahrheit war. Aber woher sollte ich sonst diese Wahrheit erfahren?

Family Fun in Florida, 1963 (CC Image State Archives)
Family Fun in Florida, 1963 (CC Image State Archives)

Diese Geschichte erinnerte mich an drei Punkte, die mir vor allem dann schmerzhaft bewußt werden, wenn ich über die Erziehung der eigenen Kinder nachdenke – und über den Umgang mit Ehe und Familie in unserer Gesellschaft. Was diese drei Punkte sind? Erstens: So schnell können sich die selbst geglaubten Lügen des Zeitgeistes ändern! Und zweitens: Worauf es wirklich ankommt, das Unabänderliche, das ändert sich nicht! Woraus drittens folgt: Wer darauf beharrt, worauf es wirklich ankommt, der mag zwar vom Zeitgeist kräftig Gegenwind bekommen, aber wird letzten Endes bestehen. So wie die Werte, für die auch Nelson Mandela als Person wie als Figur der Zeitgeschichte steht. Es sind zutiefst christliche Werte, die letzten Endes ja auch Pate gestanden haben für die Menschenrechte der Moderne.

Die Frage ist alles andere als banal: Warum wird in der PISA-Studie nicht die Bildung unserer Kinder zu moralischen, verantwortungsvollen Bürgern geprüft? Warum gibt es auch keine lautstarke Forderung danach an die OECD, die schulische Erziehung nach solchen Werten und Masstäben zu messen? Ich fordere das – und nicht nur für meine Kinder! Es geht um mehr als Lesen, Rechnen, Schreiben – dazu muss man nicht die Selbstmordrate von Schülern in Südkorea studiert haben, um das zu wissen!

Laute Stimmen in unserer Öffentlichkeit wollen auch heute keine verbindliche Orientierung nach Werten zulassen. Mit harten Bandagen wird da gekämpft. Besonders die Bindung zwischen Kirche und Gesellschaft gilt als aufgekündigt, und sogar die Wahrheiten,  die nicht nur für die Kirche, sondern auch für unsere Gesellschaft (und z. B. unsere Verfassung) von lebenswichtiger Bedeutung sind. Längst geht es nicht mehr um Worte wie “Tugend” (uh, wie spießig!) oder “Gehorsam” (wie abartig!), sondern um das Unabänderliche, was diese Werte bewahren und hüten sollen: die Ehe und die Familie. Dabei stehen die im Katechismus kurz, knapp und klar beschrieben – etwa in den Abschnitten 2201 bis 2213, was die Familie betrifft. Aber der Katechismus selber ist ja schon nicht mehr konsensfähig – und doch verbindlich.

Somit ist es “perfektes Timing”, dass Papst Franziskus eine Umfrage zu Ehe und Familie zur Hand nimmt, um für die Kirche prüfen zu lassen, wie weit diese Begriffe verhunzt und aufgeweicht werden – wie sehr also die Wahrheiten vom Zeitgeist verschleiert und karikiert werden. Nicht nur in Vorbereitung auf die Synode der Bischöfe im Vatikan. Sondern auch mit Blick darauf, wie die Kirche insgesamt – also auch Sie und ich! –, wie also wir es gemeinsam anpacken müssen, diese Begriffe heilen zu helfen, wozu auch Evangelii Gaudium uns verbindlich auffordert. Es geht um die Wahrheit unseres Glaubens, und um die Zukunft dieser Wahrheit. Reden wir mit, und bringen wir uns ein!

(Crosspost meiner Kolumne “Wimmers Woche” auf http://www.muenchner-kirchennachrichten.de)