Schluss mit der Jammerei! Das Versagen der Kirche ist eine Chance

„In unserem Kindergarten fangen Eimer die Tropfen von der undichten Decke auf, und der Herr Kardinal baut sich für 130 Millionen ein schönes Zentrum in der Innenstadt!“ Zack! Bumm! Die ganze Glaubwürdigkeitsproblematik unserer Kirche lässt sich trefflich an so einem Satz fest machen.

Egal, ob auf Facebook oder am Stammtisch: Wenn es um die langsam anlaufende Kindergarten-Renovierung geht, oder eben um angebliche „Protzbauten“ – die Kirche steht als Versager da. Warum? Auf den ersten Blick gibt es mehrere Ursachen. Einzelne Medien, die solche Geschichten durchs öffentliche Dorf treiben, um Quote zu machen. Dann jene, die meinen, eine Bibel oder den Katechismus nicht lesen zu brauchen – aber dafür ganz genau wissen, was alles falsch läuft in der „Amtskirche“ von heute. Und schließlich die Funktion der Kirche als moralischer Blitzableiter einer Gesellschaft, wie Alois Glück in einem exklusiven Interview in der aktuellen Kirchenzeitung erklärt.

Wer näher hinschaut, erkennt: All das ist nur möglich, weil die Kirche tatsächlich dabei oft versagt, glaubwürdig und transparent zu sein. Woran liegt es? Ausgerechnet der älteste und größte Verein der Erde soll nicht glaubwürdig auftreten können? Ausgerechnet der Riesenladen, der das beste Produkt aller Zeiten hat, nämlich die buchstäbliche Frohe Botschaft? Im scheinbaren Widerspruch ist auch die Antwort zu finden, wie schon G. K. Chesterton wußte: Es ist nicht so, dass das Christentum ausprobiert und für zu leicht befunden wurde. Man hat es für zu schwierig befunden und nicht ausprobiert. 

Schluss also mit der bedenkenreichen Jammerei! Jeder von uns kann kapieren, dass dieses Versagen eine großartige Chance ist: Die tägliche Herausforderung, selber wieder zu versuchen, eine Christin oder ein Christ zu sein – ganz egal, wo wir im Leben stehen. Sonst hatte Nietzsche vielleicht recht, als er sagte: „Im Grunde gab es nur einen Christen, und der starb am Kreuz.“ Beweisen wir ihm das Gegenteil.

(Crosspost der Kolumne “Wimmers Woche” auf http://www.muenchner-kirchennachrichten.de)