Wir brauchen “Big Data Catholicism”!

An allegory of consumption by Mike Licht. (CC Image).
An allegory of consumption by Mike Licht. (CC Image).

Die Zukunft ist mehr als nur ein digitaler Pfarrbrief, aber das wäre schon mal ein Anfang. Wir klagen statt dessen viel darüber, dass die Politik, die Rechtsprechung, die Kirche und auch sonst eigentlich alles der neuen digitalen Realität hinterher hinkt. Leider ist das auch wahr. Wehklagen oder Wegschauen bringt aber nichts. Wir müssen uns der Realität stellen, und ihre Chancen nutzen – auch für die Kirche.

Jedes Mal, wenn wir mit unserem Handy in der Tasche unterwegs sind; wenn wir ein Foto schiessen, an der Kasse mit einer Karte bezahlen, wir eine SMS schicken oder eine Email lesen, Geld abheben oder überweisen: Wir hinterlassen eine breite und tiefe Datenspur. Auch wer nicht auf Facebook mitmacht, oder bei Twitter, wird erfaßt. Keiner ist immun. Unsere Daten werden fleissig ganz automatisch gesammelt, und da kommt ein riesiger Berg zusammen, ein ganzes Gebirge an Informationen.

Klar: Wer auf dieses Datengebirge (neudeutsch: Big Data) Zugriff hat, der kann damit einiges anstellen. Viele finden das gut, vor allem Firmen, die unsere Aufmerksamkeit an andere verkaufen – Google zum Beispiel. Andere finden es riskant, oder gar prinzipiell schlecht; vor allem in Deutschland sind das nicht wenige, wie jüngst die Reaktionen auf Alexander Pscheras Text zu “Big Data” auf Zeit Online wieder gezeigt haben. Die zum Teil hysterischen Kommentatoren warnen wieder einmal vor den Risiken des “gläsernen Bürgers” und einer Gesellschaft, in der die Krankenkasse oder auch nur die Suchmaschine mehr über einen weiß als die eigene Ehefrau. Wer mit “Google Now” lebt, weiß, was ich meine – und weiß vielleicht auch, dass das ganze enormes Potential hat. Auch und gerade für die Kirche. “Big Data Catholicism”, das ist es was wir brauchen.

Im Land der Diözesanen Datenschutzbeauftragten

Worum geht es? Wenn die fortschrittfeindlichen Reflexe mal ausgezuckt haben und die euphorischen Loblieder auf die schöne neue Welt verklungen sind, dann wird jeder zugestehen müssen: Es geht nicht darum, ob “Big Data” gut oder schlecht ist. Die neue Datenwelt ist einfach nur eine objektive Realität, die auch nicht mehr weg gehen wird. Es geht darum, wie mit dieser Realität umgegangen wird. Deutschland hat bekanntlich weniger Twitterer als andere Länder; nicht einmal auf die Lesungen in deutscher Sprache kann man mit Smartphone oder Tablet zugreifen. Auf Englisch, Spanisch oder Italienisch alles kein Problem. Dafür hat bei uns jedes Bistum einen diözesanen Datenschutzbeauftragten. Gott sei Dank. Warum kann ich dafür immer noch nicht auf einer einfachen App herausfinden, wo in München, Landshut oder Tölz der nächste Gottesdienst ist?

“Big Data” in der Hosentasche

Diese Fragen treiben viele engagierte Katholiken um. Bei uns im Erzbistum München und Freising sind wir zumindest auf dem richtigen Weg, wenn sich demnächst die Macher der Pfarrbriefe und Kirchenzettel, der Websites und Facebookseiten aus allen Regionen zum Medientag treffen. Mehr dazu übrigens in der kommenden Ausgabe der Münchner Kirchenzeitung (die man längst online und im iTunes-Store als ePaper lesen kann). Beim Medientag wird es nicht nur um die Frage gehen, welche Schritte auf dem Weg zum digitalen Pfarrbrief zu gehen sind, sondern auch, wie in Zukunft die Sekretärinnen und Ehrenamtlichen in unseren Pfarreien die Veranstaltungen und Gottesdienste nur noch einmal eingeben müssen, damit diese Informationen dann überall verwendet werden können. Ich freue mich schon auf die Apps und anderen Möglichkeiten, endlich diese Informationen in der Hosentasche immer dabei zu haben. Das ist “Big Data Catholicism”, wie er sein sollte.

(Crosspost mit meiner Kolumne “Wimmers Woche” auf http://www.muenchner-kirchennachrichten.de)