LinkedIn legt die Latte höher: Droht Xing das Schicksal von StudiVZ?

Die Zeiten, in denen Xing ein “Business Tool” war und LinkedIn nur eine Online-Visitenkarte, sind vorbei. Stellt sich die Frage, wie es weitergeht nach den heutigem “LinkedIn Today Launch”, schreibt Anian Christoph Wimmer.

Die offizielle Verkündigung ist erst drei Stunden her. Die Reaktionen sind zwar nicht lautstark, aber  meist positiv: LinkedIn hat mehrere neue Dienste für seine Mitglieder offiziell eingeführt. Zusätzlich zu  “LinkedIn Signal“, eine Art Twitter-Integration, die das uferlose Gezwitscher filtert und bereinigt, kommt nun LinkedIn Today, ein cleveres Nachrichtenaggregat, dass die meistgelesenen Geschichten verschiedener Bereiche als “Zeitung” aufbereitet, und kostenlos zu “abonnieren” ist.

Naja,nicht ganz kostenlos: Natürlich muss man auf seiner LinkedIn Seite vorbeischauen. Und genau das ist natürlich der Sinn der Übung: Jeden Tag auf LinkedIn vorbeischauen, dort die Nachrichten konsumieren, mit Kollegen und Kontakten “netzwerken”, am eigenen Profil basteln, in den “Groups” mitreden, und alles auch, damit der nächste Kunde, der nächste Job auch ins Netz geht.

Das bringt Geld – und einen Vorteil vor der Konkurrenz, aber auch – potentiell – für den Nutzer.

Der “Vorteil für den Nutzer” ist auch schon absehbar am Erfolg von LinkedIn Signal: Weniger Müll, weniger Rauschen. Dafür mehr Qualität und eine bessere Auswahl. Nach dem Motto: Wenn Facebook der SpiegelOnline und Twitter die Bildzeitung der Sozialen Medien sind, dann will LinkedIn das Handelsblatt oder die FT Deutschland werden.

Nun hat das soziale Netzwerk für Berufstätige (und solche, die es werden wollen)  vor allem in Deutschland einen bekannten – und oft als für die “User” viel angenehmer zu verwendenden Konkurrenten: Xing. Mit seinen ca. 10 Millionen Mitgliedern ist Xing zahlenmäßig viel schwächer – LinkedIn hat über 90 Millionen. Doch andererseits ist Xing die Nummer 1 im deutschsprachigen Europa, und in vielerlei Hinsicht schon dort, wo LinkedIn mit seinen neuen Diensten hinmöchte: Zu einer aktiven Online-Gemeinde, die auch ausserhalb des Netzes gemeinsame Veranstaltungen kennt. Das Jahr 2010 war zudem das bisher beste in der Geschichte des Unternehmens.

Trotzdem ist die Frage offen, ob Xing das Schicksal von StudiVZ, das von Facebook vernichtet wurde, teilen wird. Der ernüchternde Blick auf einen Vergleich bei Alexa zeigt, warum:

Die blaue Linie ist die Zahl der täglichen Pageviews bei Xing; die rote die gleiche für LinkedIn. Ein Vergleich auf Google Trends bringt auch drastische Ergebnisse für Xing:

Klar doch: Der Konkurrenzdruck im Augenblick ist positiv, vor allem, was die Innovationen betrifft. Aber auf lange Sicht zukunftsfähig sind beide nur, wenn es eine Differenzierung gibt. Im Augenblick sind beide Dienste sich zu ähnlich – auch in der Erweiterungsstrategie – um langfristig ein Biotop für Xing zu rechtfertigen: Der Dienst braucht einen stärkeren Differenzierungspunkt; und zwar einen, den LinkedIn nicht streitig machen kann. Die relative Stärke für Xing im chinesischsprachigen Markt – zumindest laut Google Trends – ist da nur ein Trostpflaster.

Aber wie könnte diese Differenzierung aussehen? Wenn Facebook fürs Private ist, und LinkedIn fürs Professionelle, was ist dann Xing?

4 thoughts on “LinkedIn legt die Latte höher: Droht Xing das Schicksal von StudiVZ?”

  1. “Aber wie könnte diese Differenzierung aussehen? Wenn Facebook fürs Private ist, und LinkedIn fürs Professionelle, was ist dann Xing?”

    Überflüssig.

  2. @Konstantin – Vielen Dank für den Hinweis, der Google Trend ist jedoch für die Domain, xing.com, nicht den Begriff Xing. Lasse mich aber gern vom Gegenteil überzeugen. Weiss jemand mehr?

    @Frank Vielen Dank – Ja, dass Xing im deutschsprachigen Europa die Nr. 1 ist, steht ja im Artikel. Ich habe freilich keine Daten gesehen, die anzeigen, dass Xing “bei uns” LinkedIn verdrängen würde? Selbst wenn: Im “glokalen” Zeitalter sind rein sprachliche Barrieren m.E. nur Stromschnellen für globale Realitäten. Daher die Frage nach der Differenzierung.

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