Guttenberg 2.0: Mehr als nur eine Wiederauferstehung per Facebook

Von Anian Christoph Wimmer

“Guttenberg 2.0” ist nur eine Frage der Zeit. Der einzige, der die digitale Wiederauferstehung von Karl-Theodor zu Guttenberg als Politiker wirklich verhindern kann, ist Karl-Theodor zu Guttenberg selbst. Warum dies so ist, und wie es weiter geht: Das sind jetzt schon die wichtigen Fragen für Politiker, PR- und Public-Affairs-Strategen.

Das “Junge Deutschland” hat einen Nachruf publiziert. Dabei erlebt Karl-Theodor zu Guttenberg ja bereits eine digitale Renaissance. Wir wollen ihn zurück, sagen am heutigen Freitagmorgen 525,000 Menschen auf Facebook. Eine halbe Million: Das ist so frappierend für manche, dass narzisstische junge Twitterer an der Gesellschaft verzweifeln, auf Blogs absurde Verschwörungstheorien kursieren (“die Zahl ist gefakt! Beweis: DSDS hatte weniger Fans!”); und Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht ebenso wie CSU-Chef Horst Seehofer bereits von Guttenbergs politischer Zukunft.

Die Frage ist für mich nicht, wieso Guttenberg wiederkommt. Das ist so unumstößlich wie der Rücktritt unvermeidlich war. Wiederauferstehen, das wird er: Der Mann personifiziert in gewisser Hinsicht die politische Zukunft des Konservativismus in Deutschland (Chancen, Risiken, Optionen) – auch und gerade deshalb polarisiert er so. Sein größtes Manko freilich wird er ablegen müssen: die katastrophale politische Kommunikation, die seinem Rücktritt voranging, und die noch zu einem Prüfstein für die Zukunft der konservativen politischen Kommunikation werden sollte.

Deshalb ist es paradoxerweise Guttenberg selbst, der noch am ehesten seine wundersame Wiederauferstehung per Facebook verhindern  kann: Erstens, indem er sich entscheidet, aus der Bundespolitik zu verschwinden. Oder zweitens, indem er seine Glaubwürdigkeit wieder durch unverantwortliches Handeln zerstört. Wie er diese Glaubwürdigkeit allgemein im Zeitalter von Social Media gewinnen kann, habe ich ja bereits grob dargelegt.

Wie geht es nun weiter? Wenn er (und seine Berater in der CSU) klug sind, dann mit einem Akt der Reue und Läuterung – und zwar nicht nur mit innovativer Social Media-Begleitung. Guttenberg braucht das, was man im Englischen den “Come to Jesus-Moment” nennt.

Barack Obama hat bereits 2009 mit mäßigem Erfolg das Crowdsourcing, das Sammeln von Ideen und Meinungen zu politischen Zwecken, versucht. Auf den bayerischen Lazarus, Karl-Theodor zu Guttenberg, warten hunderttausende Menschen, die nur all zu gerne an seiner digitalen wie politischen Wiederauferstehung teilnehmen würden. Er hat Barack Obama etwas voraus, was der US-amerikanische Präsident auch einmal hatte: Die Aura des personifizierten Versprechens – und etwas, was Barack Obama (noch?) fehlt: die Chance, die Geschichte vom verlorenen Sohn mit dem Beigeschmack einer Tragik zu erzählen. Genauer: Der  aus dem tiefen Fall geläutert hervorgegangene Sohn der Republik, der auf den Schwingen von Social Media, getragen von Volkes Wohlwollen und Vergebung, stürmt die Bastille der Berufspolitiker und linker Hegemonialisten.

Oder so ähnlich. Wie die Katharsis funktioniert, ist jedenfalls klar. Und das Ziel kann gerne ehrgeizig sein. Dem Strategieberater von Guttenbergs muss eigentlich folgendes Endziel gesteckt werden: Mach in zum Bildungsminister, und dann zum ersten Facebook-Kanzler der Bundesrepublik.