Crowdfunding: Die Zukunft des Journalismus?

Von Anian Christoph Wimmer

Hat guter Journalismus eine Zukunft? Wie können Geschichten recherchiert und erzählt werden, die im Interesse der Öffentlichkeit sind, aber nicht in traditionellen Medien veröffentlicht werden? Die Antwort auf diese Fragen ist eine andere Frage: Wie  macht man Journalismus im digitalen Zeitalter profitabel?

Die Huffington Post macht es mit kluger Aggregation, Rupert Murdoch probiert es mit einer Gebührenschranke (Paywall) für seine Londoner “Times”. Die “TAZ” probiert es mit Micropayments auf der eigenen Website. Einen völlig anderen Weg geht das Projekt “Spot.Us” – hier wird das Prinzip des Crowdfundings für Journalistische Projekte ausprobiert, wenn auch als Initiative, die nicht finanziell ausgerichtet ist.

Crowdfunding ist die Finanzierung eines Projekts durch “Investoren” oder “Spender” über das Internet. Wie funktioniert das bei Spot.Us?

Auf seiner eigenen Website beschreibt sich Spot.Us als Plattform für Journalisten und Bürger. Hier könne die Öffentlichkeit Geschichten beauftragen, die wiederum an Medien-Partner lizensiert weitergegeben werden können, oder “frei verfügbar” bleiben.

Spot.Us – Community Funded Reporting Intro from Digidave on Vimeo.

Vor allem Themen “die wichtig oder vielleicht übersehen worden sind”, sollen so an die Öffentlichkeit gelangen. Die “mehr als 95” Partner sind nicht nur ein paar versprengte Blogs. Neben großen Medienhäusern wie der New York Times, sind es vor allem kleine Blätter der alternativen Szene und Lokalzeitungen in der amerikanischen Provinz. Und wie immer wieder betont wird: Die “Investition” ist steuerlich absetzbar.

Mit anderen Worten, hier läuft es ein wenig nach dem Prinzip: “Welches G’schichterl hätten’s denn gern?”. Suche Dir aus oder schlage vor, was recherchiert wird und wer kann und mag bezahlt dafür, dass die Geschichte journalistisch beackert wird. Wenn sie für etablierte Medien interessant sind, haben die eine “Option” auf die Story.

Das Prinzip Crowdfunding, so angesetzt, ist zugleich Risiko und Chance. Einerseits kommen so potentiell wichtige Geschichten ans Licht der Öffentlichkeit, die sonst nie publik würden.

Andererseits funktionieren die internen Kontrollmechanismen nicht, die der Journalismus als Profession genau so kennt wie jede journalistische Einrichtung. Ein Negativbeispiel, wo das hinführen kann, findet sich schnell: Da wird statt einer Geschichte eine britische Weltuntergangs-Website zum Klimawandel finanziert. Wer dahinter steht, ist genauso unklar wie die Frage, was das mit Journalismus zu tun hat.

Fazit: Vielleicht ist Crowdfunding nicht die Zukunft des Journalismus, aber eine Zukunft für eine ganz bestimmte Form des Journalismus, und darüberhinaus ein Fingerzeig, wohin es mit “dem” Journalismus im Pluralismus des Digitalen Zeitalters gehen wird. Die Herausforderungen bleiben in vielerlei Hinsicht die gleichen.